Eindrücke der ersten zwei Wochen

Die ersten zwei Wochen hier in Ambato sind schnell vergangen und wir haben bereits einiges erlebt. Wir haben uns gut eingelebt, das Spanisch wird besser und die vielen neuen Eindrücke werden verarbeitet und festgehalten. Insgesamt kann ich sagen, dass es mir hier sehr gut geht und ich mich wohl fühle in meinem neuen Zuhause. Aber alles der Reihe nach.

Vor zweieinhalb Wochen sind wir gut in Quito gelandet und wurden sogleich von unserem  Fahrer Stalin und Madre Narzica abgeholt und nach Ambato gefahren. Dort wurden wir von den Kindern der Fundación herzlich empfangen und wir haben zusammen mit den vier Madres, die das Projekt hier leiten, zu Abend gegessen. Sehr erschöpft, aber gespannt, was die nächsten Tage so passieren wird, sind wir dann auch ins Bett gefallen. Die erste Woche war sehr entspannt, wir hatten Zeit uns an die Fundación und unsere Umgebung zu gewöhnen, die spanische Sprache zu üben und uns an die Zeitverschiebung und die Höhe (die Luft ist doch um einiges dünner auf 2.500 m) anzupassen. Wir verbrachten die ersten Tage großteils im Projekt, spielten und aßen mit den Kindern und ruhten uns ein wenig aus. Dennoch sind wir am Anfang meist schon zwischen 20 und 21 Uhr müde zu Bett gegangen. Die Kinder in der Fundación (in der wir auch leben) sind sehr lieb und offen uns gegenüber. Natürlich sind sie hin und wieder frech, aber es macht Spaß mit ihnen Zeit zu verbringen und mit ihnen zu spielen (beispielsweise haben wir ihnen UNO beigebracht, was sie ab da dauernd spielen wollten).

UNO spielen mit den Kindern

Die Fundación besteht aus zwei Gebäuden und einem großen Innenhof. Im Hauptgebäude befinden sich die Zimmer der Mädchen (es leben circa 25 Kinder hier – hauptsächlich Mädchen), der Bereich der Madres, das Büro, ein Musikzimmer und der Speisesaal inkl. Küche. In dem anderen Gebäude befinden sich die Zimmer von den Burschen und uns Volontären, ein Raum zum Spielen und Lernen und ein Waschplatz und ein Hühnerstall auf dem Dach.
Mein Zimmer befindet sich gegenüber von dem meiner Mitvolos Daniel und Tobias und ich fühle mich schon sehr wohl hier. Anfangs musste ich mich an die harte Matratze, die kalte Dusche und die generelle Kälte vor allem in der Früh und am Abend (~5-15 °C) gewöhnen – mittlerweile stellt das jedoch kein Problem mehr da.

Zurück zur ersten Woche. An einem Tag sind wir drei ins Zentrum Ambatos gefahren und haben uns ein wenig die Stadt angesehen. Prinzipiell kann ich sagen, dass Ambato eine sehr belebte Stadt ist und sich viele Menschen auf den Straßen befinden. Architektonisch ist es jetzt kein Highlight und eine wirkliche Altstadt gibt es auch nicht. Im Zentrum befinden sich zwei „bekannte“ Parks, ein großer Markt und viele kleine Geschäfte. Alles in allem mag ich die Stadt bis jetzt, weil ich das Treiben auf den Straßen cool finde und man alles hat, was man braucht.

Am Freitag in der ersten Woche haben wir unseren ersten Ausflug gemacht. Zusammen mit unserem vierten Mitvolontär Daniel (der schon seit Februar hier ist) sind wir zum Quilotoa Loop gefahren. Dies ist ein wunderschöner Kratersee in der Nähe der Stadt Latacunga. In Ecuador kann man sich mit Bussen sehr gut fortbewegen, sie sind billig (~1$ / 100 km) und noch dazu sehr gemütlich und fahren auch alle paar Minuten. Also sind wir mit dem Bus Richtung Quilotoa gefahren und irgendwo mitten in den Bergen ausgestiegen. Anschließend sind wir durch die wunderschöne und kaum besiedelte Landschaft bis nach Quilotoa gewandert und haben dann den Kratersee erreicht. Schon jetzt sind wir überwältigt wie schön dieses Land mit seinen Vulkanen und seiner vielfältigen Landschaft ist. Unten am Wasser haben wir gejausnet und die zwei Daniels waren sogar schwimmen. Der Weg wieder hinauf war ziemlich steil und durch die dünne Luft (3.900m) sehr anstrengend. Verschwitzt sind wir oben angekommen und mit dem Bus wieder in die Fundación gefahren.

Quilotoa Loop

Am Wochenende kam der Einkauf für die ganze Woche ins Projekt. Wir haben geholfen beim Erdbeeren und Maulbeeren putzen und Essen einsortieren. Es kommen immer sehr viele Früchte (wovon wir die Hälfte nicht kennen in Österreich), weil man hier immer zum Mittagessen einen Jugo (frisch gepressten Fruchtsaft) trinkt. Das ist meistens das Highlight beim Essen, weil diese Säfte enorm lecker sind und es auch jeden Tag einen anderen gibt. Das Essen an sich ist auch ziemlich gut, wenngleich oft relativ fettig und kohlenhydrathaltig, aber es gibt eigentlich immer eine Suppe und eine Hauptspeise zu Mittag und am Abend können wir auch mit den Kindern essen oder uns etwas kochen. Gewöhnungsbedürftig fand ich bis jetzt nur die Suppe mit dem Hühnerdarm oder den Kuhmagen.

Am Sonntag waren wir am Vormittag mit den Kindern und den Madres in der Messe und danach haben wir zusammen einen Ausflug gemacht. Das Mittagessen wurde vorgekocht und mitgenommen und dann sind wir in einem alten Kleinbus Richtung Chimborazo (der höchste Berg Ecuadors ~6.300m) gefahren. Die erste halbe Stunde haben alle im Bus lautstark gesungen und Madre Narciza hat immer wieder Lieder angestimmt. Auch wir haben das ein oder andere deutschsprachige Lied zum Besten gegeben. Die Landschaft durch die wir fuhren war atemberaubend. Während unseres Tagesausflugs legten wir auch einige Pausen ein, um zu essen oder uns die Beine zu vertreten. An einer geeigneten Stelle sind wir dann ausgestiegen und einen Hügel hinaufgegangen. Oben angekommen hatte man einen wahnsinnig tollen Blick auf den Chimborazo. Als wir durch Riobamba gefahren sind, hat sogar jedes Kind ein Eis bekommen. Der Ausflug hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe es sehr genossen, mit den Kindern Zeit zu verbringen.

Chimborazo

Dann ist auch schon die zweite Woche und unsere erste Arbeitswoche angebrochen. Wir arbeiten nämlich nicht in der Fundación, wo wir wohnen, sondern im Hort im Zentrum der Stadt. Die Kinder hatten letzte Woche allerdings noch Ferien und daher stand Putzen und Renovieren am Programm. Wir haben Wände aus- und angemalt, die Böden, Fenster, Tische und Bänke geputzt und die Räume etwas dekoriert. Der Teil des Projekts im Zentrum besteht aus zwei Gebäuden. In dem einen Haus machen die Kinder die Hausübungen und erhalten Nachhilfe. In dem anderen befinden sich eine Näherei, eine Küche inkl. Speisesaal, wo die Kinder ein Mittagessen erhalten und Räumlichkeiten, in denen Sozialarbeiterinnen und eine Psychologin die Familien unterstützen. Wir vier österreichische Volontäre arbeiten noch mit einem deutschen Volontär, zwei Madres und den Professoren zusammen. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen, mit ihnen zu spielen und bei der Ausgabe des Mittagsessens zu helfen. Wir arbeiten Montag bis Freitag von 9 bis 17.30 im Zentrum und am Wochenende bzw. am Abend haben wir Freizeit.

Am Samstag gab es ein großes Treffen mit allen Mitarbeitern und den Kindern der Fundación. Wir sind zu einem Haus in Patate gefahren, dass die Fundación nutzen darf. Zu Beginn gab es ein Gebet, dann hatten wir die Besprechung über die Arbeitsabläufe, haben reichlich gegessen, viel getanzt und gespielt. Die Kinder haben dort übernachtet, aber wir sind dann mit einigen Mitarbeitern zurück in die Fundación gefahren.

Hier bekommen die Kinder Nachhilfe

Diese Woche beginnt für einige Kinder die Schule und daher hat unserer Arbeit mit den Kindern im Hort am Montag gestartet. Momentan sind aber noch nicht so viele Kinder da, spätestens nächste Woche kommen dann alle. Es sind rund 200 Kinder pro Tag im Centro, 100 am Vormittag und 100 am Nachmittag. Ich werde zusammen mit Madre Lupita, der Leiterin des Centros, eine Gruppe von 6 bis 9-Jährigen betreuen und sie bei den Aufgaben unterstützen. Ich freue mich schon sehr auf die Arbeit mit den Kids und werde dazu aber noch einen eigenen Eintrag verfassen, sobald ich genug Erfahrungswerte mit der Arbeit habe und eine gewisse Routine in den Tag kommt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich die ersten zwei Wochen sehr genossen habe, es mir sehr gut geht und ich mich wohl fühle, sowohl in der Fundación, als auch im Centro mit den Mitarbeitern und meinen Mitvolos. Ich freue mich auf jeden Fall auf alles weitere und bin zuversichtlich, dass ich tolle 10 Monate in Ecuador verbringen werde.

Cotopaxi

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