Die Sehnsucht nach dem Gewohnten

Nachdem ich jetzt seit bisschen über 3 Monaten in Ecuador bin, kommen Dinge ans Licht, die bisher noch keinen Platz hatten, von denen ich mir aber dachte, dass sie irgendwann kommen werden. Gefühlschaos, Heimweh, vermissen von geliebten Menschen, Sehnsucht nach dem Gewohnten. Bisher habe ich eher sachlich berichtet und geschrieben, dass es mir sehr gut geht. Das stimmt auch zu 100 % und hat sich nicht geändert, aber trotzdem habe ich auch meine schlechten Tage und die möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ich schreibe diesen Blog hauptsächlich, um meine Familie, meine Freunde und Interessierte an meinem Leben hier teilhaben zu lassen und ihnen Einblicke in mein Leben in Ecuador zu geben. Und das gehört zu einem authentischen Bericht eben dazu.

Diesen Blogeintrag hab ich tatsächlich schon vor 2 Monaten begonnen, denn genau seit Samstag bin ich seit 5 Monaten in Ecuador. Damals hab ich’s dann irgendwie nicht geschafft, den Eintrag fertigzuschreiben und hochzuladen. Da ich euch diesen Aspekt des Volontariats aber nicht vorenthalten möchte, werde ich jetzt mein Tagebuch auskramen und schreiben, wie es mir in solchen Momenten ergeht bzw. im November ergangen ist. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass es mir lediglich nur zwei Tage nicht so gut ging deswegen. Das letzte Mal richtig Sehnsucht nach Zuhause hatte ich zu Weihnachten, aber das auch nur, als ich mit meiner Familie geskypt habe. Ansonsten denke ich schon ab und zu an Zuhause, verspüre aber kein schlechtes Gefühl dabei. Ich bin nämlich ganz allgemein unendlich froh hier zu sein, genieße die Zeit im Land, mit den Kindern und meinen Mitvolontären/Freunden hier und habe bis jetzt nicht einmal das Verlangen verspürt, ernsthaft nach Hause zu wollen. Nicht einmal, als ich Heimweh hatte. Das ist auch der Grund, warum ich dieses Wort im Kontext nicht sehr gerne benutze, sondern lieber Sehnsucht sage. Denn Heimweh ist für mich persönlich ein wenig negativ behaftet und impliziert, dass man gerne zurück nach Hause möchte. Das ist bei mir aber nicht ansatzweise der Fall.

Trotzdem ein kleiner Einblick, wie es mir so ergangen ist bzw. wie es wahrscheinlich einigen geht, die für relativ lange Zeit nicht in ihrem ursprünglichem Zuhause sind. Das „ursprünglich“ deswegen, weil ich die Fundación jetzt schon mein neues Zuhause nennen kann und meine Mitvolontäre eine kleine Familie für mich sind.

Angefangen hat es im November damit, dass mich meine Verkühlung, vor allem mein Schnupfen, schon zwei Wochen geplagt hat. Insgesamt war ich nicht selten krank, mal war es Magen-Darm, mal war es eine hartnäckige Erkältung. Auf jeden Fall war ich zu dieser Zeit schon ziemlich genervt davon und ganz allgemein ein wenig sentimental. Jeder kennt das: da kommen einfach einige Sachen zusammen und wenn man dann am Abend im Bett liegt und idealerweise noch traurige Musik hört, kommt alles hoch.
Ich traue mich behaupten, dass es mir von Anfang an sehr gut hier gegangen ist, ich mich immer einigermaßen wohl gefühlt habe und auch wahnsinnig Glück mit meinen Mitvolontären habe, die natürlich auch zu meinem Wohlbefinden beitragen. Dennoch ist mir nach einigen Monaten, nachdem ich mich schon gut eingelebt hatte, bewusst geworden, dass es logisch ist, dass es viel zum Verarbeiten gibt und es nicht immer so leicht sein kann.
Täglich spricht man eine Sprache, die man gerade erst so richtig erlernt, was bedeutet, dass man sich ständig konzentrieren muss. Außerdem muss man sich in einer ganz neuen Umgebung einleben, in der andere Regeln und Sitten herrschen und in der man sich erstmal zurechtfinden muss. In Österreich war ich schon mit meiner Familie und meinen Freunden eingespielt, kannte meine Umgebung in und auswendig und hatte meine Routinen. Hier musste sich das alles erst einmal ergeben. Das allein sind Dinge, die viel Kraft und Gedanken in Anspruch nehmen. Eine Zeit lang habe ich mir zu wenig Zeit genommen, um darüber zu reflektieren und mir Zeit für mich zu nehmen und daher kam dann die Überforderung an den besagten zwei Tagen. Allerdings habe ich daraus gelernt und in dieser Zeit auch viel über mich selbst herausgefunden.

Manchmal vermisse ich die Gespräche oder die Zeit mit meiner Familie, besonders meiner Schwester, und meinen besten Freunden. Diese Menschen kenne ich einfach teilweise seit meiner Geburt und dadurch natürlich sehr gut. Klar kann man telefonieren oder schreiben, aber das ist erstens nicht das Gleiche und zweitens habe ich nicht das Verlangen danach, oft zu telefonieren, weil ich mit meinem Kopf hier sein möchte und nicht in Österreich.

Teilweise sehne ich mich dann auch nach dem leckeren Essen in Österreich bzw. Zuhause oder nach dem gewohnten Spaziergang im Wald, den ich sooft mit meiner Mama gemacht habe. Es sind so banale Sachen. Das Schwarzbrot, leckeres Naturjoghurt, kein trockener Reis mehr (den wir fast jeden Tag bekommen), die Weihnachtskekse von der Oma, …  Auf der anderen Seite lerne ich diese Dinge jetzt auch so richtig zu schätzen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es einfach viele Dinge gibt, die neu für mich sind und an die ich mich erstmal gewöhnen musste. Es ist natürlich, dass man die Familie, die Freunde, die gewohnte Umgebung und sein Zuhause vermisst und auch ich habe diese Gefühle hier kennengelernt. Trotzdem bin ich jeden Tag dankbar für die Erfahrungen und die Lernprozesse und die Möglichkeit, in Ecuador mein Volontariat machen zu können.

Feliz Navidad!

Auf Deutsch: frohe Weihnachten!
Wir haben jetzt zwar schon Mitte Jänner (die Zeit vergeht SO schnell) und trotzdem möchte ich noch gerne berichten, wie ich dieses Weihnachten und Silvester verbracht habe.

Zuerst aber einmal etwas zur Vorweihnachtszeit bzw. dem Advent. Am ersten Advent haben wir uns überlegt, dass wir mit den Kindern eine Krippe basteln und ihnen ein wenig über die Krippe und deren Geschichte erzählen könnten. Gesagt, getan. Also haben wir Plastilin, Glitzer, Holzstäbchen, Watte und ein paar andere Dinge gekauft, die man zum Basteln benötigt. Die Krippe an sich haben wir selbst gemacht aus einer Holzkiste und ein bisschen Dekoration. Mit den Kindern haben wir also über Advent, Weihnachten und die Krippe gesprochen und Weihnachtslieder gesungen. Anschließend hat jeder (die Kinder, die Madres und wir) ein Zettelchen gezogen mit dem Namen einer Krippenfigur darauf und diese daraufhin aus Plastilin und den anderen Materialien gebastelt. Das hat allen viel Freude bereitet und ist auch richtig gut gelungen! Am Ende hatten wir eine bunte und sehr individuelle Krippe!

Außerdem haben wir mit den Kindern am zweiten Adventsonntag Lieder gesungen und gebetet und am vierten Advent Kekse gebacken. Auch das hat uns allen viel Spaß bereitet und am Ende hatten wir viele leckere Kekse in den verschiedensten Formen mit Schokolade und Kokosraspeln verziert…Riquísimo!

Am 21. Dezember fand in Fase 1 (Oratorium im Zentrum, wo wir arbeiten) ein Weihnachtsfest statt, wofür wir mit den Kindern schon den ganzen Dezember Lieder und Tänze einstudiert haben. Es sind viele Eltern, Großeltern und Geschwister der Kinder gekommen und viele der Kleinen haben sich verkleidet. Eröffnet wurde das Fest mit einer Messe von Padre Pepe und dann gaben die Kinder ihre tänzerischen Fähigkeiten zum Besten. Auch Studenten der Uni Ambato haben ein Programm vorbereitet. Alles in allem ein sehr schöner und festlicher Tag mit den Kids!

Am Vormittag des 23. und 24. Dezember haben wir in der Fundación noch einen Flohmarkt gemacht und dann stand auch schon der Heilig Abend vor der Tür.
Um 18 Uhr sind wir in die Messe in der nahegelegenen Kirche gegangen. Diese war … interessant. Viel festlicher/fröhlicher als bei uns, dafür keineswegs besinnlich. Und da ich gerade die Besinnlichkeit der Weihnachtsmesse bei uns zu Hause so schätze, habe ich diese Messe hier nicht sonderlich genossen. Wenn gesungen wurde, haben die Leute entweder mit Schellen oder Händen im Takt geklatscht und eine Frau hat sogar mit einer Trillerpfeife dazu gepfiffen, was absolut unpassend war, wie wir fanden. Aber gut, eine Erfahrung.
Ganz allgemein kann ich aber sagen, dass ich Weihnachten in Österreich schöner und besinnlicher finde. Der Winter gehört für mich persönlich so ein bisschen dazu, hier war es relativ warm zu Weihnachten, es gibt keine Weihnachtsmärkte und die Weihnachtsbeleuchtung ist rot-blau-grün blinkend und hat mit warmen, schönen Licht nichts gemeinsam.
Nach der Messe sind wir dann in das Haus von zwei Educatoren/-innen der Fundación gefahren. Dort haben wir lecker Truthahn gegessen, getanzt und gemütlich Zeit verbracht. Das war sehr schön und festlich und hat den Heilig Abend doch noch sehr nett gemacht.

Eine Sache gab es allerdings, die Weihnachten in der Fundación so ein bisschen überschattet hat. Kurz gefasst wird das Projekt gerade so ein bisschen umgekrempelt. Bis jetzt war es immer so, dass in Fase 2 (Albergue, wo auch wir wohnen) 20-25 Kinder gewohnt haben. Jetzt allerdings mussten all diese Kinder ausziehen (zu ihren Familien oder in eine andere Einrichtung), weil die Fundación dieses Konzept aus verschiedenen Gründen nicht mehr so fortführen kann. Stattdessen gibt es oben jetzt auch ein Hausübungsbetreuungs-/Nachmittagsbetreuungsprogramm und gleichzeitig ein Fußballtraining für die Kinder. Eine Mischung aus Fußball und Lernen sozusagen. Das ist sehr cool, hat aber auch bedeutet, dass wir uns von allen Kindern, die bei uns lebten, verabschieden mussten. Idealerweise fanden diese Abschiede hauptsächlich rund um Weihnachten statt….
Gerade die Mädchen, die sehr lange in der Fundación gelebt haben, waren sehr traurig und hatten Angst vor der Veränderung. Dadurch flossen auch an Heilig Abend einige Tränen.
Ich persönlich kann sagen, dass mich diese Situation nicht kalt gelassen hat, weil mir die Kinder mit der Zeit ans Herz gewachsen sind und mir auch einfach sehr leid getan haben. Immerhin wurden sie aus ihrem Zuhause, wo sie sich schon gut eingelebt hatten, herausgerissen. Nicht leicht und eine traurige Angelegenheit, aber wir haben ein paar Kindern versprochen, dass wir sie in ihrer neuen Fundación besuchen werden.

Am 25. Dezember am Vormittag haben wir in der Kapelle der Madres in der Fundación nochmal eine Weihnachtsmesse mit Padre Pepe gefeiert und die hat uns allen gleich viel besser gefallen. Hier wurde eine Message übermittelt, es war besinnlich und passend zu Weihnachten. Danach haben wir mit den Madres und dem Pfarrer zusammen gegessen – das war wirklich sehr nett!

So ist unser Weihnachten abgelaufen. Zusammengefasst eine Mischung aus feiern, verabschieden, Zeit zusammen verbringen. Ich habe es insgesamt genossen und fand die Erfahrung, nicht zu Hause Weihnachten zu feiern, sehr spannend.

Weihnachtsferien

Von 25. Dezember bis 01. Jänner hatten wir Ferien und haben die Gelegenheit genutzt, das erste Mal an die Küste zu fahren.
Wir haben die Zeit zusammen sehr genossen, hatten viel Spaß und haben die Tage am Strand und im Meer verbracht! Ich war überrascht, wie anders die Küste zur Sierra (Hochgebirge) ist. Es fühlt sich wie ein anderes Land an. Sehr spannend auf jeden Fall!

Die letzten 3 Tage, also auch Silvester, haben wir im Strand-Partyort Ecuadors verbracht. In diesem Ort wird gesurft und gefeiert bis in die hellen Morgenstunden. Für Silvester perfekt 😉

Über eine Tradition, die die Leute hier zu Silvester zelebrieren, möchte ich euch noch erzählen. Nämlich basteln oder kaufen viele Familien Figuren aus Karton (von 1,5 bis 3 Meter hoch und richtig schön gebaut) und verbrennen diese um 00:00 Uhr am 31. Dezember. Damit verbrennen sie alle negativen Energien aus dem alten Jahr, um „frisch“ ins neue Jahr starten zu können.
Dadurch gab es auch am Strand auch ein großes Feuer.

Am 1. Jänner ging es dann wieder mit dem Bus 10 Stunden zurück nach Hause. Ich konnte in den Ferien gut Energie tanken und hab die Zeit an der Küste, am Meer und in der Sonne, wahnsinnig genossen!

Ich hoffe ihr habt auch alle schöne Weihnachten und Feiertage verbracht und seid gut ins neue Jahr gerutscht!

Liebe Grüße aus Ecuador, eure Sarah

P.S. neue Fotos von den Kindern und dem Weihnachtsprogramm, der Küste und anderen Ausflügen findet ihr in der Galerie 😊

Von Morocho bis Chontacuro – die Küche Ecuadors

Dass sich die Kulinarik in Ecuador von der in Österreich unterscheidet, werden sich die meisten von euch wahrscheinlich denken. Doch was genau ist anders und was ist typisch für die ecuadorianische Küche?

Zuallererst möchte ich sagen, dass ich ganz allgemein von dem Essen und Trinken hier nicht extrem begeistert bin, es aber schon einige Sachen gibt, die wirklich gut sind und die ich sehr genieße. Außerdem kann ich bis jetzt nur von meinen Erfahrungen sprechen. Ich war beispielsweise noch nie an der Küste und dort unterscheidet sich das Essen auch von dem hier im Andenhochland. Ich möchte aber einfach ein paar Speisen vorstellen und beschreiben, was mir auffällt, damit ihr einen kleinen Einblick bekommt.

Eine der Sachen, die wir am meisten genießen und die ich auch schon einmal erwähnt habe, sind die Fruchtsäfte. Da kann Österreich nicht ansatzweise mithalten. Wir haben schon frische, selbstgemachte Fruchtsäfte von folgenden Früchten getrunken: Ananas, Erdbeere, Mora (Brombeere/Maulbeere), Papaya, Tomate de Árbol, Guanabana, Naranjilla, Maracuja, Wassermelone, Zuckermelone und Zitrusfrüchten ganz allgemein. Wenn wir zum Mercado gehen, dann bestellen wir uns die verschiedensten Kombinationen aus Früchten, die dann frisch gemixt werden. Meine Lieblingskombinationen ist Banane + Kokos + Orange + Erdbeere. Die Jugos werde ich auf jeden Fall vermissen in Österreich und auch die Früchte ganz allgemein, weil die hier einfach wirklich lecker sind.

Auch beim Suppen essen gibt es andere Gewohnheiten. In der Fundación gibt es eigentlich jeden Tag zum Mittagessen eine Suppe. Dabei handelt es sich um verschiedene Cremesuppen, die auch ziemlich gut sind. Die Ecuadorianer geben in die Suppe manchmal Käse, manchmal Popcorn oder manchmal auch Bananenstücke hinein. Das finde ich auch ziemlich lecker und ist mittlerweile ganz normal für uns.

Was ich sehr cool finde, ist, dass es in fast allen Orten „Restaurants“ gibt, wo man ein Almuerzo oder ein Merienda bekommt, sprich ein Mittag- oder Abendessen. Dann zahlt man $ 2,50 und bekommt eine Suppe, einen Saft und eine Hauptspeise. Für diesen Preis ist das sehr viel und meistens auch recht gut. Gerade am Mercado kann man das Almuerzo sehr gut in Anspruch nehmen. Meistens kann man auch ein Llapingacho zum Mittagessen bestellen, was ich sehr gerne mag. Das ist ein Teller mit Kartoffelpuffern, Avocado, Chorizo, Reis, Spiegelei und bisschen Salat. Letztens aber habe ich als Hauptspeise beim Mittagessen ein Huhn mit Reis, Pommes und Salat bekommen. Das Huhn war paniert und frittiert, enorm fettig und auch eher fransig/speckig und nicht sonderlich gut. Also man kann sich um $ 2,50 nicht immer das beste Fleisch erwarten, aber an sich hatte ich noch nie größere Probleme damit.

Eine Spezialität im Andenhochland ist das Cuy. Cuy ist Meerschweinchen und wird hier so ähnlich gebraten wie ein Spanferkel. Als mein Mitvolontär Tobias Geburtstag hatte, sind wir Cuy essen gegangen und auch das hat mir sehr gut geschmeckt. Das Fleisch war echt gut wie ich finde und abgesehen davon, dass es etwas teuer war, war ich positiv überrascht.

Als wir eines Wochenendes in Tena waren, das liegt im Regenwald, haben wir uns an etwas exotischere Sachen herangetraut. Zuerst haben wir Fisch (Tilapia) im Bananenblatt gegessen mit Yuca und Salat als Beilage. Das war wirklich lecker! Probiert haben wir dann Chontacuro und Hormigas. Das erste sind Maden, die aufgespießt und gegrillt werden und das zweite sind gebratene Ameisen. Als ich die Made probieren wollte, musste ich mich zuerst wirklich überwinden, aber ich muss sagen, es war echt gut! Wenn man die Tatsache, dass es eine Made ist, ausblendet, kann man echt nichts gegen den Geschmack einwenden. Ich würde es auf jeden Fall nochmal essen. Die Ameisen hingegen haben mir gar nicht geschmeckt…

Chontacuros – Maden

Ansonsten gibt es noch ein paar wirklich köstliche Sachen wie beispielsweise Empanadas de Queso, Pollo o Carne (frittierte Teigtaschen gefüllt mit Käse, Huhn oder Fleisch), Morocho (weißes, heißes Getreide/Milchgetränk), Chifles (Bananenchips), Kochbanane (zu einer Hauptspeise oder einfach so vom Grill) oder Encebollada (Fischsuppe – echt gut!!). Ceviche (Fischgericht) ist auch eine Spezialität, vor allem an der Küste, allerdings habe ich das bisher noch nicht probiert.

Was anfangs ein bisschen gewöhnungsbedürftig war, war, dass doch oft sehr kohlenhydrathaltig oder fettig gekocht wird. Es ist keine Seltenheit, dass Reis und Kartoffeln zusammen serviert werden zum Beispiel. Reis ist ohnehin Bestandteil fast jeder Mahlzeit. Von den Tieren wird auch alles verarbeitet, also wir haben schon Suppen gegessen mit Hühnerdarm oder Kuhmagen. Wenn man sich eine klare Suppe vom Huhn bestellt, findet man darin immer die verschiedensten Teile. Sei es der Kopf, die Füße, die Leber, der Magen oder ein einfaches Stück Brust. Salat gibt es immer sehr wenig zum Essen und wenn, besteht er meist nur aus Tomate und Zwiebel.

Das waren jetzt einige Beispiele und Einblicke in die Küche Ecuadors.
Insgesamt komme ich gut zurecht mit dem Essen hier in Ecuador, ich hatte nur schon ein paar Mal Magenprobleme, was wahrscheinlich an Zubereitungsarten und Bakterien liegt, an die ich nicht gewöhnt bin. Aber wir wollen auch immer alles probieren und uns keine Köstlichkeit entgehen lassen 😉

Mein Leben, mein Alltag und was es sonst noch zu berichten gibt

Ein herzliches „Hola“ und liebe Grüße an alle meine Lieben zu Hause und an alle Leserinnen und Leser!

Vorerst will ich mich entschuldigen, dass so lange kein Eintrag mehr kam und ich wenig von mir hören lasse. Das liegt nicht daran, dass ich keine Lust habe zu schreiben oder Sonstiges, sondern schlicht und einfach daran, dass mir die Zeit fehlt (bzw. ich sie mir nicht bewusst nehme) – weshalb wird in den anderen Absätzen geschildert (Arbeit, Abendprogramm, Wochenendausflüge, …). Andererseits will ich mich mit dem Schreiben auch nicht stressen, sondern primär meine Zeit hier genießen und mich zu nichts zwingen, deswegen kann es gut sein, dass ich auch in Zukunft in sehr unregelmäßigen Abständen etwas hochladen werde.

Und noch etwas kurz vorab: Fast alle Fotos, die ihr sehen könnt auf dieser Seite und unter der Kategorie „Fotos“ sind nicht von mir, sondern von meinem lieben Mitvolo Tobias. Ein großes Dankeschön dafür auf jeden Fall!!

Das wollte ich im Vorhinein nur kurz gesagt haben. Jetzt aber zum richtigen Inhalt.

Mir geht es sehr, sehr gut in Ecuador! Ich bin jetzt bereits seit über 2 Monaten hier und kann nur sagen, dass die Zeit sehr schnell vergeht (mir fast zu schnell). Ich erlebe wahnsinnig viel, habe schon sehr viel gelernt, viele neue Leute kennengelernt und bin unendlich froh, die Entscheidung getroffen zu haben, das Volontariat hier zu machen. Die Arbeit bereitet mir sehr viel Freude, ich genieße meine Freizeit, es macht mir sehr viel Spaß, Spanisch zu sprechen und das Zusammenleben in der Fundación mit meinen Mitvolontären passt zum Glück auch super. Klar gibt es auch die ein oder andere schwierige Situation, sehr anstrengende und nervenaufreibende Arbeitstage und Momente, in denen es mir nicht so gut geht, aber die sind zum Glück stark in der Unterzahl und werden durch wertvolle Gespräche und schöne Momente schnell vergessen.

Ich werde diesen Blogeintrag diesmal kategorisch aufteilen, weil ich jetzt schon weiß, dass er sehr lang werden wird und es für den Überblick so besser ist. Ich freue mich über alle, die den Eintrag interessiert lesen und falls jemand von euch eine Frage oder sonstiges Feedback loswerden möchte, könnt ihr mich gerne kontaktieren. Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und schicke herzliche Grüße hinaus in die weite Welt! ♡

Die Arbeit in der Fundación Don Bosco

Ich arbeite Montag bis Freitag von 09:00 bis 17:30 in der Fundación Don Bosco. Das heißt, die Arbeit macht den großen Teil meiner Woche aus, deshalb werde ich auch mit diesem Part beginnen.

Um circa 07:30 stehe ich auf, jeden Tag macht einer von uns 4 Volontären das Frühstück und um 08:40 machen wir uns auf den Weg in die Arbeit. Da wir nicht direkt im Zentrum der Stadt wohnen, fahren wir mit dem Bus circa 10 Minuten und um 09:00 Uhr beginnt dann unsere Arbeit. Ich arbeite mit den Kleinsten (6-10 Jahre) und habe jeweils am Vormittag und am Nachmittag um die 15-20 Kinder zu betreuen. Das gestaltet sich folgendermaßen: die Kinder kommen entweder vor oder nach der Schule zu uns und wir sind dann für die Hausübungsbetreuung zuständig. Falls die Kinder einmal keine Hausaufgaben haben, machen wir „Refuerzo escolar“, was so viel bedeutet wie: üben, lernen und Zeit sinnvoll gestalten. Viele Kinder haben große Defizite und können für ihr Alter sehr wenig und daher ist es unsere Aufgabe, ihnen zu helfen, sich zu verbessern. Das ist oft gar nicht so einfach, weil es teilweise an Motivation und Energie fehlt und die Kinder viel lieber im Hof Fußballspielen wollen. Gerade die Kleinen tun sich oft schwer, ruhig zu sitzen, sich zu konzentrieren und ihre Aufgaben zu machen. Da kommt es auch vor, dass ich an die Grenzen meiner Geduld komme, obwohl ich mich behaupten traue, dass ich relativ viel Geduld habe. Oftmals schreien 5 Kinder gleichzeitig meinen Namen, stören sich gegenseitig, arbeiten nicht ansatzweise so wie sie sollten oder versuchen, Hausaufgaben zu verstecken, um sie nicht machen zu müssen.

Einige Kinder in meiner Gruppe können nicht lesen oder schreiben, haben aber Aufgaben in ihren Schulbüchern und so muss ich ihnen die Angabe vorlesen und die Wörter diktieren. Wenn dann mehrere Kinder gleichzeitig Hilfe brauchen, wird es schnell stressig. Aber momentan haben wir zum Glück Hilfe von einigen Studenten und dadurch teilt sich die Arbeit etwas besser auf.

Wie ihr vielleicht herauslesen konntet ist die Arbeit oft wirklich nicht so einfach bzw. weiß ich oft nicht genau, wie ich den Kindern am besten helfen kann, aber mir macht die Arbeit trotzdem sehr Spaß und es ist wahnsinnig schön zu beobachten, wenn die Kinder Fortschritte machen, stolz ihre guten Noten präsentieren oder sich einfach mal süß für die Hilfe bedanken. Wir scherzen auch herum, haben Spaß und man baut mit der Zeit eine gewisse Beziehung zu den Kindern auf, was sehr schön ist. Also auch wenn die Kids mich oft an meine Grenzen bringen, hab ich sie schon alle lieb gewonnen und arbeite sehr gerne mit ihnen!

Wenn wir dann alle mit den Hausübungen fertig sind, wird entweder weiter gelernt oder die Kids dürfen in die Pause gehen – also nach draußen spielen, eine Jause kaufen etc. Wenn wir Volontäre mit der Betreuung fertig sind und nicht noch mit Einzelbetreuung beschäftigt sind, gehen wir auch nach draußen in den Hof und schauen auf die Kinder. Die setzen sich dann oft zu uns, reden oder scherzen mit uns. Es kommt auch vor, dass sie von schwierigen Situationen zu Hause erzählen (gewalttätige Eltern, …) und das trifft mich dann schon, aber ich für meinen Teil versuche dann einfach mit den Kindern so umzugehen, dass sie für die 3 Stunden, die sie in der Fundación sind, mit ihren Gedanken nur im Hier und Jetzt sein können. Wenn wir am Freitag Nachmittag dann die Besprechung mit den Madres, allen Tutoren/-innen, Volontären und den Psychologinnen haben, werden diese Dinge besprochen und die Psychologin arbeitet dann mit den Kindern und Familien zusammen und es wird an einer Verbesserung der Situation gearbeitet.

Zu Mittag bekommen die Kinder ein Mittagessen in der Fundación und wir haben auch hier unsere fixen Aufgaben. Wir müssen den Comedor (Speisesaal) vorbereiten, darauf achten, dass alle Kinder ordentlich essen und die gewaschenen Teller kontrollieren. Nachdem wir selbst zu Mittag gegessen haben, arbeiten wir bis 17:00 Uhr mit der Nachmittagsgruppe. Danach wird noch alles aufgekehrt, die Tische werden abgewischt und ab und zu gibt es noch etwas zu besprechen. Danach fahren wir nach Hause. Manchmal holen wir uns noch eine Tortilla um 50 Cent oder einen Jugo um 1 $ (frischer Fruchtsaft – alle Mischungen möglich – eines der Highlights in Ecuador). Es gibt aber auch Tage, da sind wir so erschöpft, dass wir direkt nach Hause fahren.

Mein Leben in der Albergue

Wir ihr ja schon wisst, wohne ich in der sogenannten „Albergue“, Teil der Fundación Don Bosco. Darüber habe ich im letzten Eintrag schon ein wenig geschrieben, werde aber nochmals, nachdem ich jetzt schon einige Zeit länger da wohne, über mein Leben hier berichten.

Ganz allgemein muss gesagt sein, dass ich nicht allzu viel Zeit hier verbringe, da ich unter der Woche arbeite und am Abend öfter noch etwas mache und am Wochenende auch meist unterwegs bin. Dennoch ist dies der Ort, den ich mein Zuhause nennen und wo ich immer gerne zurückkomme.
Ich habe hier mein eigenes Zimmer, das sehr geräumig ist und neben dem meiner Mitvolontäre liegt und fühle mich schon wohl darin. Ich habe es mit Fotos geschmückt, so aufgebaut wie es mir gefällt und zu meinem eigenen, kleinen Rückzugsort gemacht. Ein weiterer Raum, der für uns alle 4 recht wichtig ist, ist der Sala de Música. Hier gibt es nämlich WLAN (in unseren Zimmern hingegen nicht) und hier ist es auch meistens sehr ruhig. Dadurch können wir ihn zum Telefonieren benutzen, zum chillen oder zusammensitzen. Die Küche nutzen wir auch sehr intensiv. Manchmal ergibt es sich so, dass wir mit den Kindern zusammen abendessen, meistens essen wir aber erst deutlich später und auch in der Früh nutzen wir die Küche, um unser Frühstück zuzubereiten. Prinzipiell können wir das Meiste nutzen, was es momentan im Kühlschrank oder Brotschrank gibt, einiges kaufen wir uns auch selbst.

Ansonsten haben wir mit den Kindern und den Tutoren/-innen der Albergue im Alltag nicht allzu viel Kontakt, weil wir eben nicht so viel zu Hause sind und sie natürlich genauso in der Schule sind, ihre Hausaufgaben machen müssen und recht früh schlafen gehen. Wenn wir uns aber im Hof oder der Küche treffen, freuen wir uns immer einander zu sehen und kurz zu plaudern. Auf jeden Fall aber haben wir ein gutes Verhältnis zu den Madres und auch zu den Kindern.

Der Monat Oktober war der Monat des „Rosario Misionero“. Rosario heißt Rosenkranz und wird hier wöchentlich gebetet und Misionero bedeutet eben missionarisch. Da man sagen könnte, dass wir eine Art Missionäre sind (zumindest haben das die Madres so gesagt), hat jeder von uns an einem Sonntag den Rosario ein bisschen mitgestaltet. Konkret wurde jeden Sonntag ein anderer Kontinent behandelt, seine Probleme besprochen und für die Menschen dort gebetet. Das sollte dazu beitragen, dass die Kinder ein wenig über die Kontinente lernen bzw. sehen, dass alle Menschen, egal wo auf der Welt sie leben, Probleme haben, es überall Armut gibt und wir alle dazu beitragen können, dies zu bessern. Anschließend haben wir immer mit den Kindern den Rosenkranz gebetet.

Eine Sache ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Wir haben an einem Sonntag den Kontinent Europa behandelt und das Thema Migration angesprochen. Der Daniel H (ein Mitvolo) hat die Kinder gefragt, was sie glauben, warum viele Leute ein Problem mit Migration haben und was sie darüber denken. Der Jüngste bei uns in der Fundación ist 7 Jahre alt und hat in dem Kontext folgenden Satz von sich gegeben: Es el mundo de todos! Das heißt auf Deutsch soviel wie: Das ist die Welt von allen! Im übertragenen Sinne meinte er, dass die Welt uns allen gehört und wir daher kein Recht haben jemandem zu sagen, wo er hingehört oder wo er nicht sein darf. Mich hat es sehr berührt, dass ein Kind in diesem Alter so etwas sagt und da wurde mir wieder bewusst, wie pur und unvoreingenommen Kinder noch in ihren Gedanken sind. Mit diesem Input möchte ich den Eintrag über mein Leben in der Albergue gerne abschließen.

Wie ich mein Leben in Ecuador ganz allgemein wahrnehme

Mir gefällt mein Leben in Ecuador eigentlich sehr, ich finde das Land auf jeden Fall interessant und sehr cool und genieße auch einige Dinge, die anders sind als in Österreich. Dennoch fällt es mir gar nicht einmal so leicht, konkrete Differenzen herauszunehmen, weil ich ganz am Anfang so geflasht von allen Eindrücken war, dass ich nicht alles, was mir aufgefallen ist, verarbeiten oder in Worte fassen konnte. Mittlerweile bin ich einige Umstände schon halbwegs gewöhnt, so dass mir der direkte Vergleich wieder fehlt. Aber ich bemühe mich, ein paar offensichtliche Dinge zu beschreiben. Dazu muss gesagt werden, dass das rein subjektive Beschreibungen sind. Es kann also sein, dass andere Menschen diese Aspekte ganz anders wahrnehmen. Es ist rein meine Sicht der Dinge.

Eine Sache, die uns allen schon ziemlich am Anfang aufgefallen ist, ist der Verkehr und die damit zusammenhängende Luftverschmutzung. In Ambato ist der Verkehr relativ stark und vor allen Dingen fahren sehr viele Busse. In der Früh beispielsweise muss man keine 10 Sekunden auf den Bus warten. Dann liefern sich die Busse manchmal ein Wettrennen, überholen sich, es schreien Leute lautstark die Endstation bzw. Richtung an um Passagiere anzulocken und die Türen sind manchmal während des Fahrens offen bzw. gehen auf, obwohl der Bus noch nicht in der Station steht. Buspläne wie bei uns gibt es nicht, es steht vorne die Nummer des Busses und die Richtung drauf oder man fragt eben den Busfahrer, wohin er fährt. Das Bussystem in Ecuador ist ganz allgemein aber gut ausgebaut und extrem billig (~ 1,15 $ pro Stunde). Zu unseren Reisedestinationen kommen wir beispielsweise ausschließlich mit dem Bus und das funktioniert folgendermaßen: Von unserer Haltestelle fahren wir mit dem Stadtbus oder dem Taxi zum Terminal, kaufen uns ein Ticket und steigen in den nächsten Bus ein, der zum Ziel fährt. Die Reisebusse sind grundsätzlich sehr gemütlich, also die Sitze sind sehr breit und weich und lassen sich gut zurücklehnen. Das einzige, was mich persönlich in den Bussen nervt, ist, dass vorne am Bildschirm immer ein Film abgespielt wird und der Ton dazu sehr, sehr laut aufgedreht wird und somit durch den ganzen Bus plärrt. Wenn man schlafen möchte (wie fast immer), kann das ganz schon anstrengend sein. Da helfen nur Ohropax oder ein tiefer Schlaf.

Eine Sache, die im Straßenverkehr noch gravierend anders ist als in Österreich, sind die „Straßenregeln“. Prinzipiell wird wilder und unordentlicher gefahren und Straßenregeln werden eher peripher beachtet. Zebrastreifen gelten hier beispielsweise gar nichts. Wenn man als Fußgänger die Straße überqueren möchte, dann geht man, wenn der Weg frei ist. Ob die Ampel rot oder grün ist oder ob ein Zebrastreifen vorhanden ist, ist dabei egal.

Die Menschen in Ecuador habe ich bisher als freundlich und herzlich empfunden. Wenn man sie etwas fragt oder um Hilfe bittet, sind sie meistens sehr offen, wie ich finde. Mir kommt vor, dass viele mehr in den Tag hineinleben und spontaner sind als einige Menschen in Österreich. Außerdem sind die meisten weniger distanziert, oft grüßt man sich mit einem Bussi auf die Wange, obwohl man sich zum ersten Mal begegnet. Ich will die Bevölkerung aber gar nicht pauschalisiert beschreiben oder mit der in Österreich vergleichen, weil ich dafür alle Leute über einen Kamm scheren müsste und das möchte ich vermeiden.

Eine Sache, die allerdings auch merkbar ist, ist, dass wir aufgrund unserer Hautfarbe und unseres Auftretens teilweise anders behandelt werden oder angeschaut werden. In Ambato beispielsweise gibt es so gut wie keine Touristen und auch so gut wie keine weißen Menschen. Die Meisten sind Mestizen oder Indígenas, daher fallen wir mit unseren blonden Haaren, unserer weißen Haut und die Burschen mit ihren blauen Augen stark auf. Seit wir hier sind ist es z.B. schon unzählige Male vorgekommen, dass fremde Menschen zu uns gekommen sind und mit uns Fotos machen wollten. Einfach so. Weil wir für viele hier sehr außergewöhnlich aussehen. Manchmal ist es schon komisch, wenn man auffällig angeschaut wird oder das Wort „Gringo“ (Amerikaner) irgendwo im Hintergrund hört. Manche Menschen behandeln uns absichtlich freundlicher, andere versuchen uns abzuzocken. Manche fragen uns, woher wir kommen und sind sehr offen uns gegenüber. Es gibt natürlich solche und solche Situationen, aber insgesamt kann man sagen, dass es nicht unbemerkt bleibt, dass wir uns äußerlich von den Menschen hier im Andenhochland unterscheiden. Dazu sollte ich vielleicht aber auch erwähnen, dass ich vor Ecuador noch nie außerhalb Europas war und mir solche Situationen daher nie gravierend aufgefallen sind. Es stört im Alltag kaum, nur manchmal, wenn man für einen Touristen oder Gringo gehalten wird, deshalb auf Englisch angeredet wird und anders behandelt wird. Sobald man aber ein Gespräch auf Spanisch beginnt oder den Leuten sagt, dass man hier lebt, ist der Umgang schon wieder ein ganz anderer. Ich persönlich finde es aber auf jeden Fall sehr spannend zu beobachten und zu erfahren.

Was gibt es sonst zu Ecuador zu sagen? Es ist auf jeden Fall billiger als bei uns, gerade Obst, Busreisen, Hostels etc. Nur importierte Waren wie Elektronik und Kosmetik sind ziemlich teuer. Hier bekommt man beispielsweise für 1 Dollar um die 12 Bananen. Das ist schon cool. Und noch dazu schmecken sie extrem gut. Ansonsten hat Ecuador eine wahnsinnig vielfältige und schöne Landschaft (siehe Punkt „Ausflüge“ und Fotos) und viel zu bieten. Mir gefällt das Land sehr gut und ich schätze es sehr, hier fast 1 Jahr leben zu dürfen.

Salsa, Bachata und wie mich das Tanzen begeistert

Wie ich schon im Teil über meinen Alltag geschrieben habe, nehme ich seit nicht ganz
2 Monaten Tanzunterricht in Salsa und Bachata. Daniel H, der ja schon seit Februar hier ist, macht das schon wesentlich länger und hat mich eines Tages für eine Probestunde mitgenommen und es hat mir soo viel Spaß gemacht! Ich war von Anfang an begeistert und wusste sofort, dass ich das weitermachen will. Die Tanzschule befindet sich weiter unten Richtung Zentrum und bietet Dienstag und Mittwoch Salsa und Donnerstag Bachata an. Wenn es sich von der Zeit ausgeht, gehe ich alle drei Tage hin. Die Community in der Tanzschule ist auch unglaublich lieb und offen und ich fühle mich schon gut aufgehoben. Manchmal gehen wir nach der Tanzstunde auch etwas zusammen essen. Ich habe für die Zeit, die ich dort bin, auch schon einiges gelernt und bin voller Motivation, noch mehr zu lernen. Es macht mir wirklich wahnsinnig Spaß, es ist ein sehr guter Ausgleich zum Alltag und genau das Richtige für mich. Ich bin sehr froh, dass der liebe Daniel mich da mitgenommen hat und mir gezeigt hat, wie viel Spaß tanzen machen kann.

Die Wochenenden

An den Wochenenden ist meistens „Ecuador entdecken“ und ein wenig Entspannen angesagt. Wobei letzteres oft zu kurz kommt. Jedenfalls versuchen wir, unsere Zeit zu nutzen und uns so viel anzuschauen, wie möglich und so halbwegs alles zu machen, worauf wir Lust haben und was uns interessiert.

Weil ich ja so lange nichts mehr geschrieben habe, werde ich bisschen erzählen, was wir bisher gemacht haben.

Cotopaxi Nationalpark
An einem der ersten Wochenenden waren wir beim Quilotoa Loop (darüber habe ich aber schon geschrieben) und im Cotopaxi Nationalpark. Dort haben wir gecampt und sind Samstag und Sonntag herumgewandert bzw. am Samstag am Nachmittag durch die Gegend spaziert und am Sonntag auf den Rumiñahui aufgestiegen. Am Samstag habe ich einer der coolsten Sachen bisher hier gesehen: eine Herde Wildpferde. Wir sind auf einen Hügel hinaufgegangen, haben uns in die Sonne gesetzt und bei absoluter Stille (die es in Ambato übrigens nie gibt) die Sicht auf die Tiere und die malerische Landschaft genossen. Das war so ein Moment, wo ich tiefe Zufriedenheit und Ruhe gespürt und genossen habe. Dann haben wir uns der Herde vorsichtig ein wenig genähert um Fotos zu machen, waren aber stets vorsichtig. Eine beeindruckende Erfahrung! Gleichzeitig ist damit so ein bisschen ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.

Die Nacht im Zelt war extrem kalt und am nächsten Tag haben wir alle Sachen, die wir aus Platzgründen vor dem Zelt gelassen haben (Schuhe, Rucksack, Essen) nass aufgefunden. Das war angesichts der Kälte natürlich nicht sehr angenehm, aber auch irgendwo lustig. Nachdem wir alles abgebaut haben, sind wir zu einer nahegelegenen Hütte gegangen, die wie bestellt einen brennenden Ofen und Tee angeboten hat. Dort haben wir uns erstmal aufgewärmt und anschließend haben wir uns auf den Weg rauf zum Rumiñahui gemacht. Der Weg dorthin war unglaublich schön, aber für mich auch teilweise ziemlich anstrengend. Gerade das letzte Stück nach oben über das Sandfeld und die Felsen waren sehr kräftezerrend. Dennoch sind wir am Ende alle oben am Gipfel angekommen (4.700 m) und waren sehr froh und glücklich, gemeinsam als Gruppe oben zu stehen und die atemberaubende Sicht zu genießen. Nach dem Abstieg sind wir voller Erschöpfung, aber mit einem sehr guten Gefühl zurück nach Ambato gefahren.

Baños
Baños ist ein sehr netter Ort, der nur 1.5 Busstunden von uns entfernt liegt. Der Ort ist relativ touristisch, man kann sehr viele Aktivitäten dort machen, am Abend ausgehen und gut entspannen. Zudem liegt Baños noch im Hochgebirge, aber viel näher am Oriente (Regenwald) und ist daher von einer sehr schönen Natur umgeben. Wir haben Thermen besucht, bei denen man Wechselbäder zwischen sehr heiß und sehr kalt genießen kann und direkt unter dem Wasserfall duschen kann. Außerdem waren wir beim „Casa de Árbol“, bei der es auch die berühmte Riesenschaukel gibt, von der man im Internet zahlreiche Bilder findet. An einem Tag sind wir auch zum „Pailon de Diablo“ gefahren, ein gigantischer Wasserfall nahe an Baños. Wir wollten eigentlich mit dem Fahrrad hinfahren, allerdings ist mein Rad am Weg kaputt geworden, sodass ich dann mit Daniel H und Yasin (unser deutscher Mitvolontär) mit dem Bus fahren musste. Ansonsten haben wir in Baños auch recht viel entspannt, weil das Hostel sehr cool und gemütlich ist. Das Einzige, was mir nicht so getaugt hat, ist, dass Baños eben recht touristisch ist und die Angebote auch dementsprechend ausschauen. Aber das ist zu übersehen, Baños ist einen Besuch auf jeden Fall wert!

Quito
An einem Wochenende haben wir es auch in die Hauptstadt des Landes, nach Quito, geschafft. Von unserer Organisation arbeiten auch zwei Burschen in einem Projekt in der Altstadt Quitos. Klarerweise haben wir die beiden besucht und mit ihnen etwas unternommen. Wir haben eine geführt Tour durch die Altstadt gemacht, um die Stadt und deren Geschichte besser kennenzulernen, waren in einem Museum, haben uns die Kirchen angeschaut und haben in einem leckeren Schokoladengeschäft die verschiedensten Geschmacksrichtungen ausprobiert. Außerdem sind wir mit der Seilbahn „Teleferico“ auf den Roca Pichincha (Hausberg Quitos) gefahren. Von dort oben hatten wir einen phänomenalen Blick! Zur rechten haben wir über die Wolken geschaut, dann kam der Wolkenbruch an den Bergen, wir haben die verschiedensten Berggipfel gesehen und hatten noch dazu einen fantastischen Blick über die Stadt. War sehr beeindruckend!
Einen sehr schönen Abend haben wir auch verbracht. Wir waren im Projekt von Vinzenz und Benedikt zum Abendessen eingeladen und haben dann mit den Salesianern, den nationalen Volontären und den beiden gegessen. Das war schon sehr nett und dann haben wir den Abend noch richtig cool ausklingen lassen. Wir haben zusammen gesungen und getanzt und wir als Österreicher haben Lieder gesungen und die Ecuadorianer haben spanische Lieder für uns performt. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ich fand sehr schön, wie selbstverständlich wir gleich bei ihnen eingeladen waren.

Puyo
Puyo – das Tor zum Oriente. Wir hatten richtig Lust, einmal den Regenwald ein wenig kennenzulernen. Also haben wir uns auf nach Puyo gemacht, wo auch ein guter ecuadorianischer Freund von uns wohnt. Dort haben wir dann einen Ausflug zu einem Aussichtspunkt gemacht und sind durch den Regenwald zu einem großen Wasserfall gegangen. Schon die Fahrt dorthin war fantastisch. Die großen, saftgrünen Bäume und Sträucher, die den Wald so dicht machen, die botanische Vielfalt, der gatschige Untergrund, die vielen Flüsse und Bäche – mir hat der Urwald einfach extrem gut gefallen. Ich fühle mich in Wäldern ohnehin schon so wohl und ein Regenwald ist nochmal etwas anderes. Das wird auf jeden Fall nicht unser letztes Mal im Oriente gewesen sein!

Salinas de Guaranda
Letztes Wochenende waren wir dann in Salinas de Guaranda. Dort haben sich alle Volontäre von der Organisation unseres deutschen Mitvolontärs Yasin getroffen (14 Volontäre aus ganz Ecuador) und dort ein paar Tage verbracht, denn wir hatten aufgrund der Feiertage 4 Tage frei. Zu dieser Zeit hat in Salinas de Guaranda auch gerade das Festival de Queso (Käse) stattgefunden. Salinas ist ein sehr kleines Bergdorf, gelegen auf 3.550 Metern. Das Dorf ist noch richtig ursprünglich und sehr nett, wie wir fanden. Die Leute dort waren sehr nett und freundlich, die Kinder sind selbstverständlich auf ihren Alpacas geritten und die Menschen haben am Käsefestival zusammen gefeiert. Wir haben dann noch die Salzmine besucht und mit einer Dame geredet, die 90 Jahre alt ist und seit ihrem 12. Lebensjahr in der Salzmine arbeitet. Inspirierend. Wir haben also eine schöne Zeit am Festival de Queso verbracht, Köstlichkeiten probiert und eingekauft und neue Kontakte zu den deutschen Volontären geknüpft.

Der Ausnahmezustand – komische 2 Wochen

Wenn ich über die letzten Wochen berichte, darf ich natürlich auch nicht den Paro vergessen, sprich den Ausnahmezustand und die Streiks hier im Land. Kurz zu den Hardfacts: Der Präsident Lenin Moreno hat aufgrund einer Abmachung mit dem IWF (Internationaler Währungsfond) zur Reduzierung der Staatsverschuldung die Subventionen auf Treibstoff gestrichen. Dadurch sind die Preise für den Treibstoff und im Zuge dessen die Preise für fast alles andere auch, gestiegen. Die Bevölkerung hat darauf mit Streiks, Straßenblockaden, Protesten, etc. reagiert, woraufhin der Präsident den Ausnahmezustand im ganzen Land für mindestens 2 Monate ausgerufen hat. Die Proteste in den größeren Städten sind eskaliert, es gab viel Gewalt und viele Auseinandersetzungen. Teilweise gab es am Abend eine Ausgangssperre für die gesamte Bevölkerung und die Sicherheitslage in den größeren Städten hat sich erheblich verschlechtert.

Wir haben das erste Mal von den Unruhen mitbekommen, als uns an einem Donnerstag in der Früh gesagt wurde, dass wir nicht in die Arbeit müssen, weil die Schulen aufgrund von Protesten geschlossen sind. Da haben wir uns erstmal nicht so viel dabei gedacht und genossen unseren freien Tag. Doch mit der Zeit haben wir dann immer mehr den Ernst der Lage begriffen. Am gleichen Nachmittag waren bereits alle Kreuzungen in Ambato durch Taxifahrer blockiert, die uns erklärten, dass sie durch ihre Gewerkschaft zum Streik verpflichtet sind und die ganze Nacht so verbringen werden. Am Freitag hat der Verkehr wieder funktioniert, Busse sind zwar nicht gefahren, aber dafür haben Pick-ups die Leute von A nach B gebracht. Am Wochenende haben die Streiks dann wieder begonnen und wir haben erfahren, wie schlimm es in Quito zugegangen ist. Es gab gewalttätige Auseinandersetzungen in der Altstadt und viele Leute haben den Moment genutzt um Plünderungen zu begehen. Am Sonntag in der Nacht haben die Taxis in Ambato erneut den Verkehr blockiert und ein Taxifahrer, mit dem wir kurz geplaudert haben, hat uns erzählt, dass die indigene Bevölkerung den Protest beginnt. Das haben wir folgendermaßen gemerkt: Sie haben am Montag Vormittag die Wasserleitungen der Stadt gekappt, wodurch wir für 2-3 Stunden kein Wasser hatten und die Radio- und Fernsehsender haben sie auch in Beschlag genommen, sodass keine Sender (bzw. nur 1 Sender) berichten konnte. Außerdem sind die Indigenen alle auf die Straßen gegangen. Zudem wurden Reifen angezündet und Tränengas seitens der Polizei eingesetzt.

Unsere persönliche Sicherheit war zum Glück nicht gefährdet, wir haben die meiste Zeit hier in der Fundación verbracht und gehofft, dass sich die Lage bald beruhigt und wir wieder arbeiten gehen können. Einmal beim Mittagessen hat Madre Narciza (die Chefin des Projekts) ein wenig über die finanzielle Lage der Fundación gesprochen. Es ist prinzipiell so, dass wir Lebensmittel vom großen Supermarkt nebenan gespendet bekommen und von den Förderungen der Stadt leben. Viel Geld hat die Fundación aber nie. Nun ist es so gewesen, dass die Preise kurzzeitig gestiegen sind und sie beispielsweise mengenmäßig viel weniger Obst und Gemüse geliefert bekamen. Am Freitag veranstaltet die Fundación normalerweise immer ein Cafecito (Kaffeekränzchen), bei dem Leute kommen und etwas zu essen und zu trinken bestellen können. Gleichzeitig dient das der Fundación als Einnahmequelle. An jenem Freitag allerdings wurde das Cafecito schon gestrichen, weil sie für den Einkauf das 3-fache hätten zahlen müssen! Das ist extrem viel Geld und auch für die lokale Bevölkerung ist es schwierig, wenn allein die Grundnahrungsmittel so viel mehr kosten.

Man hat auf den Straßen ein wenig die Anspannung der Bevölkerung in der Luft gespürt. Auch wir wussten nicht, wie die Situation verlaufen würde. Niemand dachte sich, dass der Präsident einen Rückzieher machen würde und wir hatten Sorge, dass sich die Lage verschlimmert. Immerhin ist die Sicherheitsstufe des Außenministeriums von 2 auf 4 (von 6) hinaufgesetzt worden.

Eines Abends dann liefen Verhandlungen zwischen dem Präsidenten Lenin Moreno und dem Chef der CONNAIE (Konföderation der nationalen indigenen Völker). Dabei wurde klar, dass die Subventionen auf den Treibstoff weitergehen und die Preise somit nicht steigen, sondern auf dem alten Niveau bleiben. Praktisch hieß das, dass am Abend auf den Straßen erstmal groß gefeiert wurde, die Leute alle erleichtert waren, die Schulen wieder geöffnet haben und der Alltag wie vor dem Paro weiterging. Zum Glück. Wir sind sehr froh, dass die Normalität wieder eingekehrt ist, denn es ist nicht schön, wenn man das Haus nicht verlassen soll und keine Ahnung hat, wie es mit dem Land, in dem man lebt, weitergeht. Vor allem, wenn man mitbekommt, wie viel Gewalt durch das ganze entstanden ist. Es gab Todesopfer, viele Verletzte und es wurde viel ausgeraubt. Andererseits muss ich sagen, dass es sehr spannend war, mitzuerleben. Immerhin sind die Preise von einem Tag auf den anderen gestiegen, es gab teilweise kein Wasser, die Supermärkte waren leer geräumt, weil sich die Menschen mit Wasser und Lebensmitteln eingedeckt haben und es hat wortwörtlich ein Ausnahmezustand geherrscht. Ich bin aber sehr froh, dass das ganze Kapitel vorbei ist und der Alltag normal weitergeht.

Wenn ihr bis hier her gelesen habt – Gratulation und Dankeschön! Ist ja doch sehr lang gewesen. Fotos zu allen Absätzen findet ihr unter „Fotos“.

Saludos de Ecuador!

Eindrücke der ersten zwei Wochen

Die ersten zwei Wochen hier in Ambato sind schnell vergangen und wir haben bereits einiges erlebt. Wir haben uns gut eingelebt, das Spanisch wird besser und die vielen neuen Eindrücke werden verarbeitet und festgehalten. Insgesamt kann ich sagen, dass es mir hier sehr gut geht und ich mich wohl fühle in meinem neuen Zuhause. Aber alles der Reihe nach.

Vor zweieinhalb Wochen sind wir gut in Quito gelandet und wurden sogleich von unserem  Fahrer Stalin und Madre Narzica abgeholt und nach Ambato gefahren. Dort wurden wir von den Kindern der Fundación herzlich empfangen und wir haben zusammen mit den vier Madres, die das Projekt hier leiten, zu Abend gegessen. Sehr erschöpft, aber gespannt, was die nächsten Tage so passieren wird, sind wir dann auch ins Bett gefallen. Die erste Woche war sehr entspannt, wir hatten Zeit uns an die Fundación und unsere Umgebung zu gewöhnen, die spanische Sprache zu üben und uns an die Zeitverschiebung und die Höhe (die Luft ist doch um einiges dünner auf 2.500 m) anzupassen. Wir verbrachten die ersten Tage großteils im Projekt, spielten und aßen mit den Kindern und ruhten uns ein wenig aus. Dennoch sind wir am Anfang meist schon zwischen 20 und 21 Uhr müde zu Bett gegangen. Die Kinder in der Fundación (in der wir auch leben) sind sehr lieb und offen uns gegenüber. Natürlich sind sie hin und wieder frech, aber es macht Spaß mit ihnen Zeit zu verbringen und mit ihnen zu spielen (beispielsweise haben wir ihnen UNO beigebracht, was sie ab da dauernd spielen wollten).

UNO spielen mit den Kindern

Die Fundación besteht aus zwei Gebäuden und einem großen Innenhof. Im Hauptgebäude befinden sich die Zimmer der Mädchen (es leben circa 25 Kinder hier – hauptsächlich Mädchen), der Bereich der Madres, das Büro, ein Musikzimmer und der Speisesaal inkl. Küche. In dem anderen Gebäude befinden sich die Zimmer von den Burschen und uns Volontären, ein Raum zum Spielen und Lernen und ein Waschplatz und ein Hühnerstall auf dem Dach.
Mein Zimmer befindet sich gegenüber von dem meiner Mitvolos Daniel und Tobias und ich fühle mich schon sehr wohl hier. Anfangs musste ich mich an die harte Matratze, die kalte Dusche und die generelle Kälte vor allem in der Früh und am Abend (~5-15 °C) gewöhnen – mittlerweile stellt das jedoch kein Problem mehr da.

Zurück zur ersten Woche. An einem Tag sind wir drei ins Zentrum Ambatos gefahren und haben uns ein wenig die Stadt angesehen. Prinzipiell kann ich sagen, dass Ambato eine sehr belebte Stadt ist und sich viele Menschen auf den Straßen befinden. Architektonisch ist es jetzt kein Highlight und eine wirkliche Altstadt gibt es auch nicht. Im Zentrum befinden sich zwei „bekannte“ Parks, ein großer Markt und viele kleine Geschäfte. Alles in allem mag ich die Stadt bis jetzt, weil ich das Treiben auf den Straßen cool finde und man alles hat, was man braucht.

Am Freitag in der ersten Woche haben wir unseren ersten Ausflug gemacht. Zusammen mit unserem vierten Mitvolontär Daniel (der schon seit Februar hier ist) sind wir zum Quilotoa Loop gefahren. Dies ist ein wunderschöner Kratersee in der Nähe der Stadt Latacunga. In Ecuador kann man sich mit Bussen sehr gut fortbewegen, sie sind billig (~1$ / 100 km) und noch dazu sehr gemütlich und fahren auch alle paar Minuten. Also sind wir mit dem Bus Richtung Quilotoa gefahren und irgendwo mitten in den Bergen ausgestiegen. Anschließend sind wir durch die wunderschöne und kaum besiedelte Landschaft bis nach Quilotoa gewandert und haben dann den Kratersee erreicht. Schon jetzt sind wir überwältigt wie schön dieses Land mit seinen Vulkanen und seiner vielfältigen Landschaft ist. Unten am Wasser haben wir gejausnet und die zwei Daniels waren sogar schwimmen. Der Weg wieder hinauf war ziemlich steil und durch die dünne Luft (3.900m) sehr anstrengend. Verschwitzt sind wir oben angekommen und mit dem Bus wieder in die Fundación gefahren.

Quilotoa Loop

Am Wochenende kam der Einkauf für die ganze Woche ins Projekt. Wir haben geholfen beim Erdbeeren und Maulbeeren putzen und Essen einsortieren. Es kommen immer sehr viele Früchte (wovon wir die Hälfte nicht kennen in Österreich), weil man hier immer zum Mittagessen einen Jugo (frisch gepressten Fruchtsaft) trinkt. Das ist meistens das Highlight beim Essen, weil diese Säfte enorm lecker sind und es auch jeden Tag einen anderen gibt. Das Essen an sich ist auch ziemlich gut, wenngleich oft relativ fettig und kohlenhydrathaltig, aber es gibt eigentlich immer eine Suppe und eine Hauptspeise zu Mittag und am Abend können wir auch mit den Kindern essen oder uns etwas kochen. Gewöhnungsbedürftig fand ich bis jetzt nur die Suppe mit dem Hühnerdarm oder den Kuhmagen.

Am Sonntag waren wir am Vormittag mit den Kindern und den Madres in der Messe und danach haben wir zusammen einen Ausflug gemacht. Das Mittagessen wurde vorgekocht und mitgenommen und dann sind wir in einem alten Kleinbus Richtung Chimborazo (der höchste Berg Ecuadors ~6.300m) gefahren. Die erste halbe Stunde haben alle im Bus lautstark gesungen und Madre Narciza hat immer wieder Lieder angestimmt. Auch wir haben das ein oder andere deutschsprachige Lied zum Besten gegeben. Die Landschaft durch die wir fuhren war atemberaubend. Während unseres Tagesausflugs legten wir auch einige Pausen ein, um zu essen oder uns die Beine zu vertreten. An einer geeigneten Stelle sind wir dann ausgestiegen und einen Hügel hinaufgegangen. Oben angekommen hatte man einen wahnsinnig tollen Blick auf den Chimborazo. Als wir durch Riobamba gefahren sind, hat sogar jedes Kind ein Eis bekommen. Der Ausflug hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe es sehr genossen, mit den Kindern Zeit zu verbringen.

Chimborazo

Dann ist auch schon die zweite Woche und unsere erste Arbeitswoche angebrochen. Wir arbeiten nämlich nicht in der Fundación, wo wir wohnen, sondern im Hort im Zentrum der Stadt. Die Kinder hatten letzte Woche allerdings noch Ferien und daher stand Putzen und Renovieren am Programm. Wir haben Wände aus- und angemalt, die Böden, Fenster, Tische und Bänke geputzt und die Räume etwas dekoriert. Der Teil des Projekts im Zentrum besteht aus zwei Gebäuden. In dem einen Haus machen die Kinder die Hausübungen und erhalten Nachhilfe. In dem anderen befinden sich eine Näherei, eine Küche inkl. Speisesaal, wo die Kinder ein Mittagessen erhalten und Räumlichkeiten, in denen Sozialarbeiterinnen und eine Psychologin die Familien unterstützen. Wir vier österreichische Volontäre arbeiten noch mit einem deutschen Volontär, zwei Madres und den Professoren zusammen. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Kinder bei den Hausaufgaben zu unterstützen, mit ihnen zu spielen und bei der Ausgabe des Mittagsessens zu helfen. Wir arbeiten Montag bis Freitag von 9 bis 17.30 im Zentrum und am Wochenende bzw. am Abend haben wir Freizeit.

Am Samstag gab es ein großes Treffen mit allen Mitarbeitern und den Kindern der Fundación. Wir sind zu einem Haus in Patate gefahren, dass die Fundación nutzen darf. Zu Beginn gab es ein Gebet, dann hatten wir die Besprechung über die Arbeitsabläufe, haben reichlich gegessen, viel getanzt und gespielt. Die Kinder haben dort übernachtet, aber wir sind dann mit einigen Mitarbeitern zurück in die Fundación gefahren.

Hier bekommen die Kinder Nachhilfe

Diese Woche beginnt für einige Kinder die Schule und daher hat unserer Arbeit mit den Kindern im Hort am Montag gestartet. Momentan sind aber noch nicht so viele Kinder da, spätestens nächste Woche kommen dann alle. Es sind rund 200 Kinder pro Tag im Centro, 100 am Vormittag und 100 am Nachmittag. Ich werde zusammen mit Madre Lupita, der Leiterin des Centros, eine Gruppe von 6 bis 9-Jährigen betreuen und sie bei den Aufgaben unterstützen. Ich freue mich schon sehr auf die Arbeit mit den Kids und werde dazu aber noch einen eigenen Eintrag verfassen, sobald ich genug Erfahrungswerte mit der Arbeit habe und eine gewisse Routine in den Tag kommt.

Abschließend kann ich nur sagen, dass ich die ersten zwei Wochen sehr genossen habe, es mir sehr gut geht und ich mich wohl fühle, sowohl in der Fundación, als auch im Centro mit den Mitarbeitern und meinen Mitvolos. Ich freue mich auf jeden Fall auf alles weitere und bin zuversichtlich, dass ich tolle 10 Monate in Ecuador verbringen werde.

Cotopaxi

Bald geht’s los!

In genau 20 Tagen werde ich Österreich verlassen und mit meinen Mitvolontären nach Quito in Ecuador fliegen und anschließend zu unserem Projekt in Ambato fahren – die Vorfreude ist riesig!
Aber davor ist noch einiges zu tun… Zuallererst müssen wir uns um unser Visum kümmern, die letzten Impfungen müssen erledigt werden und ein paar Sachen müssen noch besorgt werden. Die letzten Arzttermine habe ich schon hinter mir gelassen und eine ausführliche Packliste ist auch schon geschrieben. Eigentlich steht der Ausreise nichts mehr im Weg!
Natürlich versuche ich noch die letzte Zeit hier in Österreich mit meiner Familie und meinen Freunden intensiv zu verbringen, da ich sie doch einige Zeit nicht sehen werde.

Nun habe ich mich ja schon lange und viel mit meiner Ausreise und dem Einsatz auseinandergesetzt. Zum einen hatten wir im Herbst drei Vorbereitungswochenenden, die von ehemaligen Volontären liebevoll vorbereitet wurden, und eine entwicklungspolitische Woche, in der wir viele interessante Vorträge über verschiedene Themen hören durften. Ich habe viel gelernt (über mich und sachliche Themen) und sooo viele Inputs zu den verschiedensten Aspekten des Volontariats bekommen. Die Zeit war sehr schön und lustig und dafür danke ich der Organisation und allen, die dabei waren. Zum anderen habe ich mich persönlich schon sehr viel mit meinem Einsatz auseinandergesetzt, mit vielen Leuten darüber geredet, meine Gedanken aufgeschrieben und nachgedacht.

Ich glaube trotzdem, dass vieles anders wird, als ich es mir jetzt vorstelle und einige Überraschungen und Herausforderungen auf mich warten, aber auch darauf freue ich mich sehr. Ich kann es kaum erwarten das Land, das Projekt, die Kinder und Menschen kennenzulernen. Ich freue mich, meine sprachlichen Kenntnisse aufzubessern, neue Freundschaften zu knüpfen (& die bestehenden zu meinen lieben Mitvolos zu stärken), spannende Gespräche zu führen, Spaß mit den Kindern zu haben und das Leben dort in all seinen Facetten zu genießen.

Ich werde ab und an (hoffentlich halbwegs diszipliniert) Beiträge verfassen, um andere Menschen an meinem Volontariat teilhaben zu lassen und einen Einblick in mein Leben dort zu geben 🙂