Ein herzliches „Hola“ und liebe Grüße an alle meine Lieben
zu Hause und an alle Leserinnen und Leser!
Vorerst will ich mich entschuldigen, dass so lange kein Eintrag mehr kam und ich wenig von mir hören lasse. Das liegt nicht daran, dass ich keine Lust habe zu schreiben oder Sonstiges, sondern schlicht und einfach daran, dass mir die Zeit fehlt (bzw. ich sie mir nicht bewusst nehme) – weshalb wird in den anderen Absätzen geschildert (Arbeit, Abendprogramm, Wochenendausflüge, …). Andererseits will ich mich mit dem Schreiben auch nicht stressen, sondern primär meine Zeit hier genießen und mich zu nichts zwingen, deswegen kann es gut sein, dass ich auch in Zukunft in sehr unregelmäßigen Abständen etwas hochladen werde.
Und noch etwas kurz vorab: Fast alle Fotos, die ihr sehen
könnt auf dieser Seite und unter der Kategorie „Fotos“ sind nicht von mir,
sondern von meinem lieben Mitvolo Tobias. Ein großes Dankeschön dafür auf jeden
Fall!!
Das wollte ich im Vorhinein nur kurz gesagt haben. Jetzt
aber zum richtigen Inhalt.
Mir geht es sehr, sehr gut in Ecuador! Ich bin jetzt bereits
seit über 2 Monaten hier und kann nur sagen, dass die Zeit sehr schnell vergeht
(mir fast zu schnell). Ich erlebe wahnsinnig viel, habe schon sehr viel
gelernt, viele neue Leute kennengelernt und bin unendlich froh, die
Entscheidung getroffen zu haben, das Volontariat hier zu machen. Die Arbeit bereitet
mir sehr viel Freude, ich genieße meine Freizeit, es macht mir sehr viel Spaß,
Spanisch zu sprechen und das Zusammenleben in der Fundación mit meinen
Mitvolontären passt zum Glück auch super. Klar gibt es auch die ein oder andere
schwierige Situation, sehr anstrengende und nervenaufreibende Arbeitstage und
Momente, in denen es mir nicht so gut geht, aber die sind zum Glück stark in
der Unterzahl und werden durch wertvolle Gespräche und schöne Momente schnell
vergessen.
Ich werde diesen Blogeintrag diesmal kategorisch aufteilen, weil ich jetzt schon weiß, dass er sehr lang werden wird und es für den Überblick so besser ist. Ich freue mich über alle, die den Eintrag interessiert lesen und falls jemand von euch eine Frage oder sonstiges Feedback loswerden möchte, könnt ihr mich gerne kontaktieren. Ansonsten wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen und schicke herzliche Grüße hinaus in die weite Welt! ♡
Die
Arbeit in der Fundación Don Bosco
Ich arbeite Montag bis Freitag von 09:00 bis 17:30 in der
Fundación Don Bosco. Das heißt, die Arbeit macht den großen Teil meiner Woche
aus, deshalb werde ich auch mit diesem Part beginnen.
Um circa 07:30 stehe ich auf, jeden Tag macht einer von uns
4 Volontären das Frühstück und um 08:40 machen wir uns auf den Weg in die
Arbeit. Da wir nicht direkt im Zentrum der Stadt wohnen, fahren wir mit dem Bus
circa 10 Minuten und um 09:00 Uhr beginnt dann unsere Arbeit. Ich arbeite mit
den Kleinsten (6-10 Jahre) und habe jeweils am Vormittag und am Nachmittag um
die 15-20 Kinder zu betreuen. Das gestaltet sich folgendermaßen: die Kinder
kommen entweder vor oder nach der Schule zu uns und wir sind dann für die
Hausübungsbetreuung zuständig. Falls die Kinder einmal keine Hausaufgaben haben,
machen wir „Refuerzo escolar“, was so viel bedeutet wie: üben, lernen und Zeit
sinnvoll gestalten. Viele Kinder haben große Defizite und können für ihr Alter
sehr wenig und daher ist es unsere Aufgabe, ihnen zu helfen, sich zu
verbessern. Das ist oft gar nicht so einfach, weil es teilweise an Motivation
und Energie fehlt und die Kinder viel lieber im Hof Fußballspielen wollen.
Gerade die Kleinen tun sich oft schwer, ruhig zu sitzen, sich zu konzentrieren
und ihre Aufgaben zu machen. Da kommt es auch vor, dass ich an die Grenzen
meiner Geduld komme, obwohl ich mich behaupten traue, dass ich relativ viel
Geduld habe. Oftmals schreien 5 Kinder gleichzeitig meinen Namen, stören sich
gegenseitig, arbeiten nicht ansatzweise so wie sie sollten oder versuchen,
Hausaufgaben zu verstecken, um sie nicht machen zu müssen.
Einige Kinder in meiner Gruppe können nicht lesen oder
schreiben, haben aber Aufgaben in ihren Schulbüchern und so muss ich ihnen die
Angabe vorlesen und die Wörter diktieren. Wenn dann mehrere Kinder gleichzeitig
Hilfe brauchen, wird es schnell stressig. Aber momentan haben wir zum Glück
Hilfe von einigen Studenten und dadurch teilt sich die Arbeit etwas besser auf.
Wie ihr vielleicht herauslesen konntet ist die Arbeit oft wirklich nicht so einfach bzw. weiß ich oft nicht genau, wie ich den Kindern am besten helfen kann, aber mir macht die Arbeit trotzdem sehr Spaß und es ist wahnsinnig schön zu beobachten, wenn die Kinder Fortschritte machen, stolz ihre guten Noten präsentieren oder sich einfach mal süß für die Hilfe bedanken. Wir scherzen auch herum, haben Spaß und man baut mit der Zeit eine gewisse Beziehung zu den Kindern auf, was sehr schön ist. Also auch wenn die Kids mich oft an meine Grenzen bringen, hab ich sie schon alle lieb gewonnen und arbeite sehr gerne mit ihnen!
Wenn wir dann alle mit den Hausübungen fertig sind, wird entweder weiter gelernt oder die Kids dürfen in die Pause gehen – also nach draußen spielen, eine Jause kaufen etc. Wenn wir Volontäre mit der Betreuung fertig sind und nicht noch mit Einzelbetreuung beschäftigt sind, gehen wir auch nach draußen in den Hof und schauen auf die Kinder. Die setzen sich dann oft zu uns, reden oder scherzen mit uns. Es kommt auch vor, dass sie von schwierigen Situationen zu Hause erzählen (gewalttätige Eltern, …) und das trifft mich dann schon, aber ich für meinen Teil versuche dann einfach mit den Kindern so umzugehen, dass sie für die 3 Stunden, die sie in der Fundación sind, mit ihren Gedanken nur im Hier und Jetzt sein können. Wenn wir am Freitag Nachmittag dann die Besprechung mit den Madres, allen Tutoren/-innen, Volontären und den Psychologinnen haben, werden diese Dinge besprochen und die Psychologin arbeitet dann mit den Kindern und Familien zusammen und es wird an einer Verbesserung der Situation gearbeitet.
Zu Mittag bekommen die Kinder ein Mittagessen in der
Fundación und wir haben auch hier unsere fixen Aufgaben. Wir müssen den Comedor
(Speisesaal) vorbereiten, darauf achten, dass alle Kinder ordentlich essen und die
gewaschenen Teller kontrollieren. Nachdem wir selbst zu Mittag gegessen haben,
arbeiten wir bis 17:00 Uhr mit der Nachmittagsgruppe. Danach wird noch alles
aufgekehrt, die Tische werden abgewischt und ab und zu gibt es noch etwas zu
besprechen. Danach fahren wir nach Hause. Manchmal holen wir uns noch eine
Tortilla um 50 Cent oder einen Jugo um 1 $ (frischer Fruchtsaft – alle
Mischungen möglich – eines der Highlights in Ecuador). Es gibt aber auch Tage,
da sind wir so erschöpft, dass wir direkt nach Hause fahren.
Mein Leben in der Albergue
Wir ihr ja schon wisst, wohne ich in der sogenannten
„Albergue“, Teil der Fundación Don Bosco. Darüber habe ich im letzten Eintrag
schon ein wenig geschrieben, werde aber nochmals, nachdem ich jetzt schon
einige Zeit länger da wohne, über mein Leben hier berichten.
Ganz allgemein muss gesagt sein, dass ich nicht allzu viel Zeit hier verbringe, da ich unter der Woche arbeite und am Abend öfter noch etwas mache und am Wochenende auch meist unterwegs bin. Dennoch ist dies der Ort, den ich mein Zuhause nennen und wo ich immer gerne zurückkomme.
Ich habe hier mein eigenes Zimmer, das sehr geräumig ist und neben dem meiner Mitvolontäre liegt und fühle mich schon wohl darin. Ich habe es mit Fotos geschmückt, so aufgebaut wie es mir gefällt und zu meinem eigenen, kleinen Rückzugsort gemacht. Ein weiterer Raum, der für uns alle 4 recht wichtig ist, ist der Sala de Música. Hier gibt es nämlich WLAN (in unseren Zimmern hingegen nicht) und hier ist es auch meistens sehr ruhig. Dadurch können wir ihn zum Telefonieren benutzen, zum chillen oder zusammensitzen. Die Küche nutzen wir auch sehr intensiv. Manchmal ergibt es sich so, dass wir mit den Kindern zusammen abendessen, meistens essen wir aber erst deutlich später und auch in der Früh nutzen wir die Küche, um unser Frühstück zuzubereiten. Prinzipiell können wir das Meiste nutzen, was es momentan im Kühlschrank oder Brotschrank gibt, einiges kaufen wir uns auch selbst.
Ansonsten haben wir mit den Kindern und den Tutoren/-innen der Albergue im Alltag nicht allzu viel Kontakt, weil wir eben nicht so viel zu Hause sind und sie natürlich genauso in der Schule sind, ihre Hausaufgaben machen müssen und recht früh schlafen gehen. Wenn wir uns aber im Hof oder der Küche treffen, freuen wir uns immer einander zu sehen und kurz zu plaudern. Auf jeden Fall aber haben wir ein gutes Verhältnis zu den Madres und auch zu den Kindern.
Der Monat Oktober war der Monat des „Rosario Misionero“. Rosario heißt Rosenkranz und wird hier wöchentlich gebetet und Misionero bedeutet eben missionarisch. Da man sagen könnte, dass wir eine Art Missionäre sind (zumindest haben das die Madres so gesagt), hat jeder von uns an einem Sonntag den Rosario ein bisschen mitgestaltet. Konkret wurde jeden Sonntag ein anderer Kontinent behandelt, seine Probleme besprochen und für die Menschen dort gebetet. Das sollte dazu beitragen, dass die Kinder ein wenig über die Kontinente lernen bzw. sehen, dass alle Menschen, egal wo auf der Welt sie leben, Probleme haben, es überall Armut gibt und wir alle dazu beitragen können, dies zu bessern. Anschließend haben wir immer mit den Kindern den Rosenkranz gebetet.
Eine Sache ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Wir haben an einem Sonntag den Kontinent Europa behandelt und das Thema Migration angesprochen. Der Daniel H (ein Mitvolo) hat die Kinder gefragt, was sie glauben, warum viele Leute ein Problem mit Migration haben und was sie darüber denken. Der Jüngste bei uns in der Fundación ist 7 Jahre alt und hat in dem Kontext folgenden Satz von sich gegeben: Es el mundo de todos! Das heißt auf Deutsch soviel wie: Das ist die Welt von allen! Im übertragenen Sinne meinte er, dass die Welt uns allen gehört und wir daher kein Recht haben jemandem zu sagen, wo er hingehört oder wo er nicht sein darf. Mich hat es sehr berührt, dass ein Kind in diesem Alter so etwas sagt und da wurde mir wieder bewusst, wie pur und unvoreingenommen Kinder noch in ihren Gedanken sind. Mit diesem Input möchte ich den Eintrag über mein Leben in der Albergue gerne abschließen.
Wie ich mein Leben in Ecuador ganz allgemein wahrnehme
Mir gefällt mein Leben in Ecuador eigentlich sehr, ich finde
das Land auf jeden Fall interessant und sehr cool und genieße auch einige
Dinge, die anders sind als in Österreich. Dennoch fällt es mir gar nicht einmal
so leicht, konkrete Differenzen herauszunehmen, weil ich ganz am Anfang so
geflasht von allen Eindrücken war, dass ich nicht alles, was mir aufgefallen
ist, verarbeiten oder in Worte fassen konnte. Mittlerweile bin ich einige Umstände
schon halbwegs gewöhnt, so dass mir der direkte Vergleich wieder fehlt. Aber
ich bemühe mich, ein paar offensichtliche Dinge zu beschreiben. Dazu muss
gesagt werden, dass das rein subjektive Beschreibungen sind. Es kann also sein,
dass andere Menschen diese Aspekte ganz anders wahrnehmen. Es ist rein meine
Sicht der Dinge.
Eine Sache, die uns allen schon ziemlich am Anfang aufgefallen ist, ist der Verkehr und die damit zusammenhängende Luftverschmutzung. In Ambato ist der Verkehr relativ stark und vor allen Dingen fahren sehr viele Busse. In der Früh beispielsweise muss man keine 10 Sekunden auf den Bus warten. Dann liefern sich die Busse manchmal ein Wettrennen, überholen sich, es schreien Leute lautstark die Endstation bzw. Richtung an um Passagiere anzulocken und die Türen sind manchmal während des Fahrens offen bzw. gehen auf, obwohl der Bus noch nicht in der Station steht. Buspläne wie bei uns gibt es nicht, es steht vorne die Nummer des Busses und die Richtung drauf oder man fragt eben den Busfahrer, wohin er fährt. Das Bussystem in Ecuador ist ganz allgemein aber gut ausgebaut und extrem billig (~ 1,15 $ pro Stunde). Zu unseren Reisedestinationen kommen wir beispielsweise ausschließlich mit dem Bus und das funktioniert folgendermaßen: Von unserer Haltestelle fahren wir mit dem Stadtbus oder dem Taxi zum Terminal, kaufen uns ein Ticket und steigen in den nächsten Bus ein, der zum Ziel fährt. Die Reisebusse sind grundsätzlich sehr gemütlich, also die Sitze sind sehr breit und weich und lassen sich gut zurücklehnen. Das einzige, was mich persönlich in den Bussen nervt, ist, dass vorne am Bildschirm immer ein Film abgespielt wird und der Ton dazu sehr, sehr laut aufgedreht wird und somit durch den ganzen Bus plärrt. Wenn man schlafen möchte (wie fast immer), kann das ganz schon anstrengend sein. Da helfen nur Ohropax oder ein tiefer Schlaf.
Eine Sache, die im Straßenverkehr noch gravierend anders ist
als in Österreich, sind die „Straßenregeln“. Prinzipiell wird wilder und
unordentlicher gefahren und Straßenregeln werden eher peripher beachtet.
Zebrastreifen gelten hier beispielsweise gar nichts. Wenn man als Fußgänger die
Straße überqueren möchte, dann geht man, wenn der Weg frei ist. Ob die Ampel
rot oder grün ist oder ob ein Zebrastreifen vorhanden ist, ist dabei egal.
Die Menschen in Ecuador habe ich bisher als freundlich und
herzlich empfunden. Wenn man sie etwas fragt oder um Hilfe bittet, sind sie meistens
sehr offen, wie ich finde. Mir kommt vor, dass viele mehr in den Tag
hineinleben und spontaner sind als einige Menschen in Österreich. Außerdem sind die meisten weniger
distanziert, oft grüßt man sich mit einem Bussi auf die Wange, obwohl man sich
zum ersten Mal begegnet. Ich will die Bevölkerung aber gar nicht
pauschalisiert beschreiben oder mit der in Österreich vergleichen, weil ich
dafür alle Leute über einen Kamm scheren müsste und das möchte ich vermeiden.
Eine Sache, die allerdings auch merkbar ist, ist, dass wir
aufgrund unserer Hautfarbe und unseres Auftretens teilweise anders behandelt
werden oder angeschaut werden. In Ambato beispielsweise gibt es so gut wie
keine Touristen und auch so gut wie keine weißen Menschen. Die Meisten sind
Mestizen oder Indígenas, daher fallen wir mit unseren blonden Haaren, unserer
weißen Haut und die Burschen mit ihren blauen Augen stark auf. Seit wir hier
sind ist es z.B. schon unzählige Male vorgekommen, dass fremde Menschen zu uns
gekommen sind und mit uns Fotos machen wollten. Einfach so. Weil wir für viele
hier sehr außergewöhnlich aussehen. Manchmal ist es schon komisch, wenn man auffällig
angeschaut wird oder das Wort „Gringo“ (Amerikaner) irgendwo im Hintergrund
hört. Manche Menschen behandeln uns absichtlich freundlicher, andere versuchen
uns abzuzocken. Manche fragen uns, woher wir kommen und sind sehr offen uns
gegenüber. Es gibt natürlich solche und solche Situationen, aber insgesamt kann
man sagen, dass es nicht unbemerkt bleibt, dass wir uns äußerlich von den
Menschen hier im Andenhochland unterscheiden. Dazu sollte ich vielleicht aber
auch erwähnen, dass ich vor Ecuador noch nie außerhalb Europas war und mir
solche Situationen daher nie gravierend aufgefallen sind. Es stört im Alltag
kaum, nur manchmal, wenn man für einen Touristen oder Gringo gehalten wird,
deshalb auf Englisch angeredet wird und anders behandelt wird. Sobald man aber
ein Gespräch auf Spanisch beginnt oder den Leuten sagt, dass man hier lebt, ist
der Umgang schon wieder ein ganz anderer. Ich persönlich finde es aber auf
jeden Fall sehr spannend zu beobachten und zu erfahren.
Was gibt es sonst zu Ecuador zu sagen? Es ist auf jeden Fall billiger als bei uns, gerade Obst, Busreisen, Hostels etc. Nur importierte Waren wie Elektronik und Kosmetik sind ziemlich teuer. Hier bekommt man beispielsweise für 1 Dollar um die 12 Bananen. Das ist schon cool. Und noch dazu schmecken sie extrem gut. Ansonsten hat Ecuador eine wahnsinnig vielfältige und schöne Landschaft (siehe Punkt „Ausflüge“ und Fotos) und viel zu bieten. Mir gefällt das Land sehr gut und ich schätze es sehr, hier fast 1 Jahr leben zu dürfen.
Salsa, Bachata und wie mich das Tanzen begeistert
Wie ich schon im Teil über meinen Alltag geschrieben habe, nehme ich seit nicht ganz
2 Monaten Tanzunterricht in Salsa und Bachata. Daniel H, der ja schon seit Februar hier ist, macht das schon wesentlich länger und hat mich eines Tages für eine Probestunde mitgenommen und es hat mir soo viel Spaß gemacht! Ich war von Anfang an begeistert und wusste sofort, dass ich das weitermachen will. Die Tanzschule befindet sich weiter unten Richtung Zentrum und bietet Dienstag und Mittwoch Salsa und Donnerstag Bachata an. Wenn es sich von der Zeit ausgeht, gehe ich alle drei Tage hin. Die Community in der Tanzschule ist auch unglaublich lieb und offen und ich fühle mich schon gut aufgehoben. Manchmal gehen wir nach der Tanzstunde auch etwas zusammen essen. Ich habe für die Zeit, die ich dort bin, auch schon einiges gelernt und bin voller Motivation, noch mehr zu lernen. Es macht mir wirklich wahnsinnig Spaß, es ist ein sehr guter Ausgleich zum Alltag und genau das Richtige für mich. Ich bin sehr froh, dass der liebe Daniel mich da mitgenommen hat und mir gezeigt hat, wie viel Spaß tanzen machen kann.
Die Wochenenden
An den Wochenenden ist meistens „Ecuador entdecken“ und ein
wenig Entspannen angesagt. Wobei letzteres oft zu kurz kommt. Jedenfalls
versuchen wir, unsere Zeit zu nutzen und uns so viel anzuschauen, wie möglich
und so halbwegs alles zu machen, worauf wir Lust haben und was uns
interessiert.
Weil ich ja so lange nichts mehr geschrieben habe, werde ich
bisschen erzählen, was wir bisher gemacht haben.
Cotopaxi Nationalpark
An einem der ersten Wochenenden waren wir beim Quilotoa Loop (darüber habe ich aber schon geschrieben) und im Cotopaxi Nationalpark. Dort haben wir gecampt und sind Samstag und Sonntag herumgewandert bzw. am Samstag am Nachmittag durch die Gegend spaziert und am Sonntag auf den Rumiñahui aufgestiegen. Am Samstag habe ich einer der coolsten Sachen bisher hier gesehen: eine Herde Wildpferde. Wir sind auf einen Hügel hinaufgegangen, haben uns in die Sonne gesetzt und bei absoluter Stille (die es in Ambato übrigens nie gibt) die Sicht auf die Tiere und die malerische Landschaft genossen. Das war so ein Moment, wo ich tiefe Zufriedenheit und Ruhe gespürt und genossen habe. Dann haben wir uns der Herde vorsichtig ein wenig genähert um Fotos zu machen, waren aber stets vorsichtig. Eine beeindruckende Erfahrung! Gleichzeitig ist damit so ein bisschen ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen.
Die Nacht im Zelt war extrem kalt und am nächsten Tag haben wir alle Sachen, die wir aus Platzgründen vor dem Zelt gelassen haben (Schuhe, Rucksack, Essen) nass aufgefunden. Das war angesichts der Kälte natürlich nicht sehr angenehm, aber auch irgendwo lustig. Nachdem wir alles abgebaut haben, sind wir zu einer nahegelegenen Hütte gegangen, die wie bestellt einen brennenden Ofen und Tee angeboten hat. Dort haben wir uns erstmal aufgewärmt und anschließend haben wir uns auf den Weg rauf zum Rumiñahui gemacht. Der Weg dorthin war unglaublich schön, aber für mich auch teilweise ziemlich anstrengend. Gerade das letzte Stück nach oben über das Sandfeld und die Felsen waren sehr kräftezerrend. Dennoch sind wir am Ende alle oben am Gipfel angekommen (4.700 m) und waren sehr froh und glücklich, gemeinsam als Gruppe oben zu stehen und die atemberaubende Sicht zu genießen. Nach dem Abstieg sind wir voller Erschöpfung, aber mit einem sehr guten Gefühl zurück nach Ambato gefahren.
Baños
Baños ist ein sehr netter Ort, der nur 1.5 Busstunden von uns entfernt liegt. Der Ort ist relativ touristisch, man kann sehr viele Aktivitäten dort machen, am Abend ausgehen und gut entspannen. Zudem liegt Baños noch im Hochgebirge, aber viel näher am Oriente (Regenwald) und ist daher von einer sehr schönen Natur umgeben. Wir haben Thermen besucht, bei denen man Wechselbäder zwischen sehr heiß und sehr kalt genießen kann und direkt unter dem Wasserfall duschen kann. Außerdem waren wir beim „Casa de Árbol“, bei der es auch die berühmte Riesenschaukel gibt, von der man im Internet zahlreiche Bilder findet. An einem Tag sind wir auch zum „Pailon de Diablo“ gefahren, ein gigantischer Wasserfall nahe an Baños. Wir wollten eigentlich mit dem Fahrrad hinfahren, allerdings ist mein Rad am Weg kaputt geworden, sodass ich dann mit Daniel H und Yasin (unser deutscher Mitvolontär) mit dem Bus fahren musste. Ansonsten haben wir in Baños auch recht viel entspannt, weil das Hostel sehr cool und gemütlich ist. Das Einzige, was mir nicht so getaugt hat, ist, dass Baños eben recht touristisch ist und die Angebote auch dementsprechend ausschauen. Aber das ist zu übersehen, Baños ist einen Besuch auf jeden Fall wert!
Quito
An einem Wochenende haben wir es auch in die Hauptstadt des Landes, nach Quito, geschafft. Von unserer Organisation arbeiten auch zwei Burschen in einem Projekt in der Altstadt Quitos. Klarerweise haben wir die beiden besucht und mit ihnen etwas unternommen. Wir haben eine geführt Tour durch die Altstadt gemacht, um die Stadt und deren Geschichte besser kennenzulernen, waren in einem Museum, haben uns die Kirchen angeschaut und haben in einem leckeren Schokoladengeschäft die verschiedensten Geschmacksrichtungen ausprobiert. Außerdem sind wir mit der Seilbahn „Teleferico“ auf den Roca Pichincha (Hausberg Quitos) gefahren. Von dort oben hatten wir einen phänomenalen Blick! Zur rechten haben wir über die Wolken geschaut, dann kam der Wolkenbruch an den Bergen, wir haben die verschiedensten Berggipfel gesehen und hatten noch dazu einen fantastischen Blick über die Stadt. War sehr beeindruckend!
Einen sehr schönen Abend haben wir auch verbracht. Wir waren im Projekt von Vinzenz und Benedikt zum Abendessen eingeladen und haben dann mit den Salesianern, den nationalen Volontären und den beiden gegessen. Das war schon sehr nett und dann haben wir den Abend noch richtig cool ausklingen lassen. Wir haben zusammen gesungen und getanzt und wir als Österreicher haben Lieder gesungen und die Ecuadorianer haben spanische Lieder für uns performt. Das hat sehr viel Spaß gemacht und ich fand sehr schön, wie selbstverständlich wir gleich bei ihnen eingeladen waren.
Puyo
Puyo – das Tor zum Oriente. Wir hatten richtig Lust, einmal den Regenwald ein wenig kennenzulernen. Also haben wir uns auf nach Puyo gemacht, wo auch ein guter ecuadorianischer Freund von uns wohnt. Dort haben wir dann einen Ausflug zu einem Aussichtspunkt gemacht und sind durch den Regenwald zu einem großen Wasserfall gegangen. Schon die Fahrt dorthin war fantastisch. Die großen, saftgrünen Bäume und Sträucher, die den Wald so dicht machen, die botanische Vielfalt, der gatschige Untergrund, die vielen Flüsse und Bäche – mir hat der Urwald einfach extrem gut gefallen. Ich fühle mich in Wäldern ohnehin schon so wohl und ein Regenwald ist nochmal etwas anderes. Das wird auf jeden Fall nicht unser letztes Mal im Oriente gewesen sein!
Salinas de Guaranda
Letztes Wochenende waren wir dann in Salinas de Guaranda. Dort haben sich alle Volontäre von der Organisation unseres deutschen Mitvolontärs Yasin getroffen (14 Volontäre aus ganz Ecuador) und dort ein paar Tage verbracht, denn wir hatten aufgrund der Feiertage 4 Tage frei. Zu dieser Zeit hat in Salinas de Guaranda auch gerade das Festival de Queso (Käse) stattgefunden. Salinas ist ein sehr kleines Bergdorf, gelegen auf 3.550 Metern. Das Dorf ist noch richtig ursprünglich und sehr nett, wie wir fanden. Die Leute dort waren sehr nett und freundlich, die Kinder sind selbstverständlich auf ihren Alpacas geritten und die Menschen haben am Käsefestival zusammen gefeiert. Wir haben dann noch die Salzmine besucht und mit einer Dame geredet, die 90 Jahre alt ist und seit ihrem 12. Lebensjahr in der Salzmine arbeitet. Inspirierend. Wir haben also eine schöne Zeit am Festival de Queso verbracht, Köstlichkeiten probiert und eingekauft und neue Kontakte zu den deutschen Volontären geknüpft.
Der Ausnahmezustand – komische 2 Wochen
Wenn ich über die letzten Wochen berichte, darf ich
natürlich auch nicht den Paro vergessen, sprich den Ausnahmezustand und die
Streiks hier im Land. Kurz zu den Hardfacts: Der Präsident Lenin Moreno hat
aufgrund einer Abmachung mit dem IWF (Internationaler Währungsfond) zur
Reduzierung der Staatsverschuldung die Subventionen auf Treibstoff gestrichen.
Dadurch sind die Preise für den Treibstoff und im Zuge dessen die Preise für
fast alles andere auch, gestiegen. Die Bevölkerung hat darauf mit Streiks,
Straßenblockaden, Protesten, etc. reagiert, woraufhin der Präsident den
Ausnahmezustand im ganzen Land für mindestens 2 Monate ausgerufen hat. Die
Proteste in den größeren Städten sind eskaliert, es gab viel Gewalt und viele
Auseinandersetzungen. Teilweise gab es am Abend eine Ausgangssperre für die
gesamte Bevölkerung und die Sicherheitslage in den größeren Städten hat sich
erheblich verschlechtert.
Wir haben das erste Mal von den Unruhen mitbekommen, als uns an einem Donnerstag in der Früh gesagt wurde, dass wir nicht in die Arbeit müssen, weil die Schulen aufgrund von Protesten geschlossen sind. Da haben wir uns erstmal nicht so viel dabei gedacht und genossen unseren freien Tag. Doch mit der Zeit haben wir dann immer mehr den Ernst der Lage begriffen. Am gleichen Nachmittag waren bereits alle Kreuzungen in Ambato durch Taxifahrer blockiert, die uns erklärten, dass sie durch ihre Gewerkschaft zum Streik verpflichtet sind und die ganze Nacht so verbringen werden. Am Freitag hat der Verkehr wieder funktioniert, Busse sind zwar nicht gefahren, aber dafür haben Pick-ups die Leute von A nach B gebracht. Am Wochenende haben die Streiks dann wieder begonnen und wir haben erfahren, wie schlimm es in Quito zugegangen ist. Es gab gewalttätige Auseinandersetzungen in der Altstadt und viele Leute haben den Moment genutzt um Plünderungen zu begehen. Am Sonntag in der Nacht haben die Taxis in Ambato erneut den Verkehr blockiert und ein Taxifahrer, mit dem wir kurz geplaudert haben, hat uns erzählt, dass die indigene Bevölkerung den Protest beginnt. Das haben wir folgendermaßen gemerkt: Sie haben am Montag Vormittag die Wasserleitungen der Stadt gekappt, wodurch wir für 2-3 Stunden kein Wasser hatten und die Radio- und Fernsehsender haben sie auch in Beschlag genommen, sodass keine Sender (bzw. nur 1 Sender) berichten konnte. Außerdem sind die Indigenen alle auf die Straßen gegangen. Zudem wurden Reifen angezündet und Tränengas seitens der Polizei eingesetzt.
Unsere persönliche Sicherheit war zum Glück nicht gefährdet, wir haben die meiste Zeit hier in der Fundación verbracht und gehofft, dass sich die Lage bald beruhigt und wir wieder arbeiten gehen können. Einmal beim Mittagessen hat Madre Narciza (die Chefin des Projekts) ein wenig über die finanzielle Lage der Fundación gesprochen. Es ist prinzipiell so, dass wir Lebensmittel vom großen Supermarkt nebenan gespendet bekommen und von den Förderungen der Stadt leben. Viel Geld hat die Fundación aber nie. Nun ist es so gewesen, dass die Preise kurzzeitig gestiegen sind und sie beispielsweise mengenmäßig viel weniger Obst und Gemüse geliefert bekamen. Am Freitag veranstaltet die Fundación normalerweise immer ein Cafecito (Kaffeekränzchen), bei dem Leute kommen und etwas zu essen und zu trinken bestellen können. Gleichzeitig dient das der Fundación als Einnahmequelle. An jenem Freitag allerdings wurde das Cafecito schon gestrichen, weil sie für den Einkauf das 3-fache hätten zahlen müssen! Das ist extrem viel Geld und auch für die lokale Bevölkerung ist es schwierig, wenn allein die Grundnahrungsmittel so viel mehr kosten.
Man hat auf den Straßen ein wenig die Anspannung der
Bevölkerung in der Luft gespürt. Auch wir wussten nicht, wie die Situation
verlaufen würde. Niemand dachte sich, dass der Präsident einen Rückzieher
machen würde und wir hatten Sorge, dass sich die Lage verschlimmert. Immerhin
ist die Sicherheitsstufe des Außenministeriums von 2 auf 4 (von 6) hinaufgesetzt
worden.
Eines Abends dann liefen Verhandlungen zwischen dem Präsidenten Lenin Moreno und dem Chef der CONNAIE (Konföderation der nationalen indigenen Völker). Dabei wurde klar, dass die Subventionen auf den Treibstoff weitergehen und die Preise somit nicht steigen, sondern auf dem alten Niveau bleiben. Praktisch hieß das, dass am Abend auf den Straßen erstmal groß gefeiert wurde, die Leute alle erleichtert waren, die Schulen wieder geöffnet haben und der Alltag wie vor dem Paro weiterging. Zum Glück. Wir sind sehr froh, dass die Normalität wieder eingekehrt ist, denn es ist nicht schön, wenn man das Haus nicht verlassen soll und keine Ahnung hat, wie es mit dem Land, in dem man lebt, weitergeht. Vor allem, wenn man mitbekommt, wie viel Gewalt durch das ganze entstanden ist. Es gab Todesopfer, viele Verletzte und es wurde viel ausgeraubt. Andererseits muss ich sagen, dass es sehr spannend war, mitzuerleben. Immerhin sind die Preise von einem Tag auf den anderen gestiegen, es gab teilweise kein Wasser, die Supermärkte waren leer geräumt, weil sich die Menschen mit Wasser und Lebensmitteln eingedeckt haben und es hat wortwörtlich ein Ausnahmezustand geherrscht. Ich bin aber sehr froh, dass das ganze Kapitel vorbei ist und der Alltag normal weitergeht.
Wenn ihr bis hier her gelesen habt – Gratulation und Dankeschön! Ist ja doch sehr lang gewesen. Fotos zu allen Absätzen findet ihr unter „Fotos“.
Saludos de Ecuador!