Nachdem ich jetzt seit bisschen über 3 Monaten in Ecuador bin, kommen Dinge ans Licht, die bisher noch keinen Platz hatten, von denen ich mir aber dachte, dass sie irgendwann kommen werden. Gefühlschaos, Heimweh, vermissen von geliebten Menschen, Sehnsucht nach dem Gewohnten. Bisher habe ich eher sachlich berichtet und geschrieben, dass es mir sehr gut geht. Das stimmt auch zu 100 % und hat sich nicht geändert, aber trotzdem habe ich auch meine schlechten Tage und die möchte ich nicht unerwähnt lassen. Ich schreibe diesen Blog hauptsächlich, um meine Familie, meine Freunde und Interessierte an meinem Leben hier teilhaben zu lassen und ihnen Einblicke in mein Leben in Ecuador zu geben. Und das gehört zu einem authentischen Bericht eben dazu.
Diesen Blogeintrag hab ich tatsächlich schon vor 2 Monaten begonnen, denn genau seit Samstag bin ich seit 5 Monaten in Ecuador. Damals hab ich’s dann irgendwie nicht geschafft, den Eintrag fertigzuschreiben und hochzuladen. Da ich euch diesen Aspekt des Volontariats aber nicht vorenthalten möchte, werde ich jetzt mein Tagebuch auskramen und schreiben, wie es mir in solchen Momenten ergeht bzw. im November ergangen ist. An dieser Stelle sollte ich vielleicht erwähnen, dass es mir lediglich nur zwei Tage nicht so gut ging deswegen. Das letzte Mal richtig Sehnsucht nach Zuhause hatte ich zu Weihnachten, aber das auch nur, als ich mit meiner Familie geskypt habe. Ansonsten denke ich schon ab und zu an Zuhause, verspüre aber kein schlechtes Gefühl dabei. Ich bin nämlich ganz allgemein unendlich froh hier zu sein, genieße die Zeit im Land, mit den Kindern und meinen Mitvolontären/Freunden hier und habe bis jetzt nicht einmal das Verlangen verspürt, ernsthaft nach Hause zu wollen. Nicht einmal, als ich Heimweh hatte. Das ist auch der Grund, warum ich dieses Wort im Kontext nicht sehr gerne benutze, sondern lieber Sehnsucht sage. Denn Heimweh ist für mich persönlich ein wenig negativ behaftet und impliziert, dass man gerne zurück nach Hause möchte. Das ist bei mir aber nicht ansatzweise der Fall.
Trotzdem ein kleiner Einblick, wie es mir so ergangen ist bzw. wie es wahrscheinlich einigen geht, die für relativ lange Zeit nicht in ihrem ursprünglichem Zuhause sind. Das „ursprünglich“ deswegen, weil ich die Fundación jetzt schon mein neues Zuhause nennen kann und meine Mitvolontäre eine kleine Familie für mich sind.
Angefangen hat es im November damit, dass mich meine Verkühlung, vor allem mein Schnupfen, schon zwei Wochen geplagt hat. Insgesamt war ich nicht selten krank, mal war es Magen-Darm, mal war es eine hartnäckige Erkältung. Auf jeden Fall war ich zu dieser Zeit schon ziemlich genervt davon und ganz allgemein ein wenig sentimental. Jeder kennt das: da kommen einfach einige Sachen zusammen und wenn man dann am Abend im Bett liegt und idealerweise noch traurige Musik hört, kommt alles hoch.
Ich traue mich behaupten, dass es mir von Anfang an sehr gut hier gegangen ist, ich mich immer einigermaßen wohl gefühlt habe und auch wahnsinnig Glück mit meinen Mitvolontären habe, die natürlich auch zu meinem Wohlbefinden beitragen. Dennoch ist mir nach einigen Monaten, nachdem ich mich schon gut eingelebt hatte, bewusst geworden, dass es logisch ist, dass es viel zum Verarbeiten gibt und es nicht immer so leicht sein kann.
Täglich spricht man eine Sprache, die man gerade erst so richtig erlernt, was bedeutet, dass man sich ständig konzentrieren muss. Außerdem muss man sich in einer ganz neuen Umgebung einleben, in der andere Regeln und Sitten herrschen und in der man sich erstmal zurechtfinden muss. In Österreich war ich schon mit meiner Familie und meinen Freunden eingespielt, kannte meine Umgebung in und auswendig und hatte meine Routinen. Hier musste sich das alles erst einmal ergeben. Das allein sind Dinge, die viel Kraft und Gedanken in Anspruch nehmen. Eine Zeit lang habe ich mir zu wenig Zeit genommen, um darüber zu reflektieren und mir Zeit für mich zu nehmen und daher kam dann die Überforderung an den besagten zwei Tagen. Allerdings habe ich daraus gelernt und in dieser Zeit auch viel über mich selbst herausgefunden.
Manchmal vermisse ich die Gespräche oder die Zeit mit meiner Familie, besonders meiner Schwester, und meinen besten Freunden. Diese Menschen kenne ich einfach teilweise seit meiner Geburt und dadurch natürlich sehr gut. Klar kann man telefonieren oder schreiben, aber das ist erstens nicht das Gleiche und zweitens habe ich nicht das Verlangen danach, oft zu telefonieren, weil ich mit meinem Kopf hier sein möchte und nicht in Österreich.
Teilweise sehne ich mich dann auch nach dem leckeren Essen in Österreich bzw. Zuhause oder nach dem gewohnten Spaziergang im Wald, den ich sooft mit meiner Mama gemacht habe. Es sind so banale Sachen. Das Schwarzbrot, leckeres Naturjoghurt, kein trockener Reis mehr (den wir fast jeden Tag bekommen), die Weihnachtskekse von der Oma, … Auf der anderen Seite lerne ich diese Dinge jetzt auch so richtig zu schätzen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass es einfach viele Dinge gibt, die neu für mich sind und an die ich mich erstmal gewöhnen musste. Es ist natürlich, dass man die Familie, die Freunde, die gewohnte Umgebung und sein Zuhause vermisst und auch ich habe diese Gefühle hier kennengelernt. Trotzdem bin ich jeden Tag dankbar für die Erfahrungen und die Lernprozesse und die Möglichkeit, in Ecuador mein Volontariat machen zu können.